INTERVIEW – Leben mit Psychischen Störungen – Betroffene und Angehörige berichten #10

„Psychische Probleme sind doch totale Frauensache.“ – Solche oder ähnliche Aussagen hört man immer und immer wieder. Psychische Probleme werden gerne eher der Frauenwelt zugeschoben, Männer, das „starke Geschlecht“, die haben sowas doch nicht. 
Aber immer mehr Männer treten mit ihren Leidensgeschichten und Erkrankungen an die Öffentlichkeit und gehen offen damit um und brechen mit dem gesellschaftlichen Rollenklischee des „harten Mannes ohne Gefühle“. Dieses Rollenklischee ist eines der markantesten Merkmale von Toxic Masculinity (ein englischer Begriff aus dem modernen, intersektionalen Feminismus, der schädliche Rollenbilder und giftiges Rollendenken im Bezug auf das, was als Männlich angesehen wird, beschreibt) und auch leider eines, mit den katastrophalsten Auswirkungen. Männer geben Probleme tendenziell ungern zu, aus Angst, schwach zu wirken, aber auch, nicht Ernst genommen zu werden. Bei Promis erfahren wir oftmals viel zu spät, dass massive Probleme herrschten, leider kommt oft erst nach einem Suizid die lange Leidensgeschichte der Betroffenen ans Licht. 
Dieses ändert sich gottseidank immer mehr, männliche Stars wie Ryan Reynolds, Dwayne „The Rock“ Johnson, Kevin Love (Basketballer der Cleveland Cavaliers), Patton Oswalt, Kid Cudi und viele mehr sprechen sich offen gegen das Stigma, das Psychische Krankheiten noch zu oft anhaftet, aus und ebnen den Weg für mehr Verständnis, Offenheit und Akzeptanz. 
Heute darf ich in meiner Interview Reihe einen Mann zu Wort kommen lassen, der uns offen und ungeschönt aus seinem Leben mit mentalen Problemen berichtet und zeigt, es kann jeden treffen. 

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Interview Leben mit Psychischen Störungen – Betroffene und Angehörige berichten #8

Die Interview Reihe zum Thema Leben mit psychischen Störungen gibt es nun schon eine Weile und ich freue mich, immer wieder von neuen Interessenten zu hören, die ihre Geschichte teilen und einen Einblick in ihre Lebensrealität geben wollen. 

Interview Reihe Psychische Störungen

Heute gibt uns Kimey von Kimey‘s Seelenleben einen kleinen Einblick in ihr Leben mit psychischer Erkrankung, unter anderem Borderline. 

Der Begriff „Borderline“ (= „Grenzlinie“) ist auf die frühere Klassifikation in neurotische und psychotische Erkrankungen zurückzuführen und dementsprechend dazwischen angesiedelt worden. Die genaue Genese ist wie bei vielen psychiatrischen Erkrankungen unklar, von Traumata in Kindheit und Jugend ist bei zwei Dritteln der Erkrankten auszugehen. Dazu gehört vor allem sexueller Missbrauch. Diskutiert wird auch eine Störung im Dopaminsystem.1

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Angststörung und Panikattacken – eine Übersicht, Behandlungsoptionen und Erste Hilfe

Es ist ein schöner Tag, das Wetter ist angenehm, die Vögel zwitschern und die Luft ist von Kinderlachen erfüllt, das vom Spielplatz dringt. Wir wandern durch den Park, ich geniesse die warmen Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht und sehe den Kindern hinterher, die laut juchzend auf den Spielplatz zu laufen und Hallos mit den bereits spielenden Kindern austauschen. 

Ich steuere mit meinem Kaffee in der Hand eine Parkbank gleich am Rande an, die Kinder schon in ihre Phantasiewelt und Piratenabenteuer vertieft, und krame in meiner Tasche nach meinem Buch. Ich finde es und blättere auf der Suche nach der Stelle, an der ich gestern aufgehört habe zu lesen, darin herum. Ich finde sie, blicke noch mal auf die Kinder, die wohl mittlerweile Dinosaurier sind und sich jagen, sie sind in Blickweite, gut. Ich vertiefe mich in mein Buch.

Plötzlich verschwimmen die Buchstaben.
Wie ein Nebel legt sich um mich, die Welt scheint sich viel schneller zu drehen, zu schnell…
Ich kann nicht atmen!
Ich bekomme keine Luft!

ANGST!
Unglaubliche Angst macht sich in mir breit.
Ich bekomme keine Luft, Alles dreht sich, um meine Brust ein Gewicht, als wolle es mich erdrücken.
Wovor habe ich eigentlich Angst?
Ich weiss es nicht…
Aber ich kann nicht atmen…

Ich zittere, das Buch gleitet mir fast durch die schwitzigen Hände.
Ich krampfe sie zusammen.
Halte das Buch fest.
Ich klammere mich daran fest.
Ich bekomme keine Luft…

Ich entkrampfe meine Hände wieder etwas und zwinge mich dazu, zu atmen, Luft zu holen.
Mein Atem geht stossweise.
ANGST!
Alles dreht sich…

Ich bekomme keine Luft! – Doch…
Ich atme, noch immer abgehackt, aber langsam immer kontrollierter.
Ich KANN atmen…!
ANGST!
Ich schliesse die Augen, die Sonne blendet.
Kindergeschrei, Lachen, Vogelzwitschern.
Ich spüre Papier zwischen meinen Fingern.

Atme!
Atme!

Der Nebel lüftet sich langsam, die Kinder sind nun Polizisten und jagen Sandkastenförmchenräuber.
Die Angst verschwindet langsam. Langsamer, als sie gekommen ist.
Ich atme.
Es ist vorbei…

Es war die dritte Panikattacke diese Woche, dabei hatten wir gerade mal Dienstag. Sie kam, wie fast immer, ohne Vorwarnung, wie eine Naturgewalt, nur um dann wieder zu verschwinden.

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Du hast ja nen ganz schön fetten Arsch bekommen – Mein Weg in die Essstörung

Triggerwarnung – Psychische Erkrankungen, Essstörung 

„Als du hergezogen bist, da warst voll hübsch – aber jetzt hast ja nen ganz schön fetten Arsch bekommen…“

Dieser Satz, ausgesprochen von genau dem Jungen, in den ich mich verknallt hatte, schmerzte mehr als jeder Schnitt mit einer Klinge, den ich mir danach angetan habe, es jemals tun würde. Er schmerzte mehr, als die Hungerkrämpfe, in die mein Magen in den kommenden Monaten und Jahren immer wieder verfallen würde. 

Es war einer der ersten milderen Tage nach einem sehr kalten Winter, ein kleines Grüppchen 13 und 14Jähriger auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause, die Schule war für den Tag herum und auf dem Nachhauseweg wurden Pläne für den Nachmittag geschmiedet. Wir lachten und alberten und diskutierten, ob wir nach dem Mittagessen und den Hausaufgaben an den Weiher oder nicht lieber doch ins alte Lagerhaus wollten. Das Dorf, in dem wir wohnten, war nicht sonderlich gross, ausser einem kleinen Tante Emma Laden, einer Schlecker Filiale und einem Metzger gab es nichts wirklich, Plätze für Teenager schon mal gar nicht. Meine Eltern waren vor ca. einem halben Jahr erst mit mir dort hingezogen und ich hatte dieses „doofe Kaff“, wie ich nicht müde wurde, zu bemerken, anfangs absolut gehasst. Ich vermisste meine alten Freunde und meine alte Stadt und war fest gewillt, meinen neuen Wohnort für immer zu hassen. Nach einigen Monaten hatte ich dennoch etwas Anschluss gefunden, ein paar Gleichaltrige Teenager aus der Nachbarschaft, mit denen ich auch im Bus zur Schule fuhr, nahmen mich auf Ausflüge mit und zeigten mir die Gegend – langsam aber sicher wurde meine Abneigung etwas geringer und ich glaubte sogar, ich könnte neue Freunde finden und in dem kleinen Dorf eventuell doch etwas Spass haben. Einer der Jungs aus der Nachbarschaft war sogar ganz süss, ich hatte mich ein kleines bisschen verknallt und gehofft, dass auch dieser an dem Nachmittag wieder dabei sein würde. Und dann fiel dieser Satz, von genau ihm…

Um mich herum brach man in Gelächter aus, der Guteste hatte einen harmlosen Scherz gemacht, der auch sogleich wieder vergessen war, denn wenige Sekunden später wurden wieder Pläne für den Nachmittag geschmiedet.
„Um 15.00 Uhr am Dorfweiher!“, wurde abgemacht.
Ich trabte den Rest des Weges nach Hause schweigend ein paar Schritte hinter der Gruppe und mit gesenktem Kopf her und beteiligte mich nicht mehr an der Unterhaltung. Ich traf mich diesen Nachmittag nicht mit den Leuten aus der Nachbarschaft, ich ging nicht an den Weiher und würde es auch niemals wieder tun.
An diesem Tag ging ich nach Hause, stellte mich auf die Waage und entschied, dass ich um jeden Preis etwas ändern würde.
Dieser für die Anderen so harmlose Satz, der wohl nach wenigen Sekunden von Allen schon wieder vergessen war, würde mich noch lange verfolgen und letztendlich damals noch ungeahnte, massive Folgen haben. 

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Mythen und Irrglauben über Suizid – ein Aufklärungsartikel

Ich will sterben.

Wie geht man damit um, wenn man diesen Satz im Umfeld hört?
Wie kann man jemandem helfen, der Todessehnsucht äussert und KANN man der Person überhaupt helfen und sollte man überhaupt? Ist es denn nicht so, dass Leute, die wirklich Suizid begehen wollen, es einfach tun und nicht drüber reden? Will die Person jetzt nur Aufmerksamkeit?

Suizid ist immer noch grosses Tabuthema, kein Wunder, es ist mit Leid und Schmerz verbunden, sicherlich kein Thema, das man beim Sektfrühstück mit Freunden neben der Diskussion darum, welchen Film man sich am Wochenende im Kino anschaut, einfach mal eben so bespricht. Eigentlich redet man gar nicht drüber…

Und genau das ist das Problem.

Man redet nicht drüber, es ist tabu, so zu denken, ist tabu. Sterben zu wollen, ist tabu. So zu leiden, dass man mit dem Leben nicht mehr klar kommt, ist tabu.

Es ist egoistisch. Es ist schwach. Es ist faul.

Es ist ein Schrei nach Aufmerksamkeit, der gerade in dieser Form gerne ignoriert und nicht ernst genommen wird.

Es ist ein No Go. Es ist undankbar. Das DARF einfach nicht sein. 

Heute soll es um Missverständnisse, Vorurteile und falsche Vorstellungen zum Thema Suizid gehen. Das Ziel ist es, durch Aufklärung mehr Verständnis und mehr Hilfsotpionen für Betroffene und Angehörige an der Hand zu haben und eventuell sogar Freitode verhindern zu können.

VORSICHT – DIESER ARTIKEL ENTHÄLT EVENTUELL TRIGGERNDE INHALTE ZUM THEMA SUIZID 

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