Lebens-Stil

Life Update #7 – wie ich meine Lebensfreude in Kentucky wieder fand und Gedanken zum Bloggen

Still war es hier die letzten Monate, stiller als sonst schon – viel gebloggt habe ich die letzten Jahre ja nicht wirklich – aber die Sommerferien waren plötzlich da und es war heiss und wir nur noch draussen. Irgendwie ist einfach ganz viel Leben passiert und ich hatte weder Zeit noch grossartige Lust aufs Bloggen, darauf, am PC abzuhängen, oder irgendwas zu schreiben.

Und dann stelle ich nach über 3 Monaten Blogpause auch noch fest, dass mein letztes Update, was hier eigentlich so vor sich geht und passiert, ein gutes Jahr her ist. Also wird es Zeit für ein weiteres Life Update, denn es ist viel passiert…

Mittlerweile leben wir nun schon seit ca. anderthalb Jahren in Kentucky – wie konnte das eigentlich passieren, wo ist die Zeit hin, gaaah???!!!

Und was soll ich sagen, meine anfängliche Skepsis, ob ich mich so ländlich und mitten im erzkonservativen Bible Belt eigentlich wohlfühlen würde, ist gänzlich verflogen. Ich habe tolle Freunde gefunden, meine Nachbarn sind einfach nur wundervoll und wir sind hier Alle wie eine grosse Familie. Zum ersten Mal seit vielen Jahren fühle ich mich wirklich wohl und angekommen.

Ich habe in den letzten Monaten auch meine angehende Sozialphobie überwunden. Nachdem ich mich quasi jahrelange eingeigelt habe und ein Leben geführt habe, das jeden Einsiedler neidisch machen würde, war ich dieses Jahr den ganzen Sommer über draussen!

Mit Leuten!

Und habe soziale Interaktion betrieben!

Und neue Leute kennengelernt!

Ich habe quasi ein ganz normales Leben gelebt. Ohne Panikattacken und ohne Depressionen, ohne Dinge drei Millionen Mal zu zerdenken, ohne andauernde Angst, ohne unsägliche, unbegründete Traurigkeit. Und was war wundervoll und wunderschön.

Ist es immer noch.

Es geht mir gut.

Dass ich das jemals sagen würde, daran habe ich eine Weile schon gar nicht mehr geglaubt. Ich dachte, die Isolation, die Abgrenzung, das Alleinesein, die Traurigkeit und andauernde, irrationale Angst wären nun mein Leben, meine neue Normalität, meine gesamte Zukunft.

Es stellte sich raus, dem ist nicht so.

Nix im Leben ist konstant, Alles nur eine Phase und selbst die dümmsten, klischeebeladensten und dämlichsten Postkartensprüche haben anscheinend zumindest einen Hauch Wahrheit in sich. Die ewigen, sich konstant wiederholenden Platitüden wie „Irgendwann geht es wieder bergauf.“ und „Es kommen auch wieder bessere Zeiten.“ verwandelten sich von Poesiealben-Nichtigkeiten in Realität.

Natürlich kam das nicht von einem Tag auf den anderen – es lüftete sich nicht dramatisch eine schwere, dunkle Wolkendecke und die Sonne drang wieder in mein Leben und ich blühte auf und nichts war mehr, wie es mal war – es war ein langer, schwerer und anstrengender Prozess bei dem ich nicht selten dachte, einfach aufzugeben. Es war kein Spaziergang, bei dem sich plötzlich ein magisches Tor zum normalen Leben und Glück vor dir öffnete, sondern ein steiniger Kampf, aber dennoch einer, der sich gelohnt hat.

Geholfen haben mir dabei ganz viele Menschen, ich war dabei nicht alleine, alleine hätte ich es wohl vielleicht gar nicht geschafft. Meine Freunde und gute Nachbarn, die um meinen „Zustand“ wussten, brachten viel Verständnis und Geduld mit sich und halfen mir so unglaublich. Meine Freundin kam immer wieder und versuchte mich unter Menschen zu bringen, aber ohne mich zu überfordern. Aus einem 10 Minuten Gespräch mit einem Nachbarn wurde ein halbstündiges ein paar Tage später, eine Woche drauf hatte ich Kaffeebesuch da und noch ein paar Tage später waren meine Freundin, die Kinder und ich den gesamten Nachmittag bei unserem Nachbarn und daraus entwickelte sich ein Ritual und bald verbrachten wir die gesamten Sommertage immer in Rotation bei Freunden und Nachbarn. Für mich, die kaum Smalltalk an der Kasse betreiben konnte, ohne dass sich eine Panikattacke anbahnte, ein riesiger Durchbruch.

Das erkannte auch meine Freundin und nutzte das gute Momentum, das ich gerade hatte und animierte mich, noch mehr aus meiner Komfortzone rauszukommen. Und ich traute mich und tat es, wohl wissend, dass meine Freundin ein Stützpfeiler war, auf den ich mich verlassen konnte, meine Signale kannte und auf sie reagieren konnte und eben, dass ich ihr vertrauen konnte.

So kam es, dass ich es nach vielen Jahren endlich wieder schaffte, wie eine ganz normale Person, einfach raus zu gehen. Wir unternahmen Ausflüge in die Stadt, gingen Kaffee trinken und shoppen, entdeckten neue Coffeeshops, Bars und Läden und nach langer Zeit erlebte ich ein Stück Normalität, ein Leben ohne dauernde Angst und Unsicherheit, ein Leben, das wirklich auch gelebt wurde, ein Leben, das erlebt wurde.

Mein Umfeld gab mit den Schubser und die Kraft die ich zu lange nicht hatte und dafür bin ich unendlich dankbar.

Ich habe die Sommerferien dieses Jahr komplett draussen und unterwegs, zusammen mit Freunden und guten Nachbarn, in toller Gesellschaft verbracht und hatte einfach wenig Lust und Gelegenheit, an meinen Laptop zu gehen. Und ehrlicherweise war diese Pause vom Internet und auch vom Bloggen, genau das, was ich gerade gebraucht habe. Ein wenig echtes Leben, etwas Real Life, statt immer nur Inhalte fürs Internet zu produzieren, oder mich wegen eines neuen Artikels zu stressen, für den ich ja doch nicht die Energie oder Motivation hatte.

Die Sommerferien, die hier drüben übrigens gute 12 Wochen dauerten, sind mittlerweile wieder rum. Der Grosse geht nun in die 3. Klasse und Mini ist noch zu Hause. Ihr Geburtstag war 2 Tage nach dem Stichtag für die Einschulung und somit muss sie noch ein Jahr warten. Was wir beide aber gar nicht mal so übel finden, denn die Kindheit endet früh genug und immerhin haben hier auch Erstklässler schon den ganzen Tag Unterricht und sind gute 8 Stunden oder mehr aus dem Haus. Und das im Schnitt mit 5 Jahren schon. Da schadet ein weiteres Jahr noch zu Hause sein sicher nicht, die harte Realität kommt früh genug.

Nachdem die Schule wieder angefangen hat, hat sich natürlich auch unser Alltag wieder verändert, ich muss den Grossen für die Schule fertig machen und natürlich auch feste Zeiten einhalten, drauf achten, dass er Hausaufgaben macht und so weiter und somit lebe ich aktuell nicht mehr, wie den gesamten Sommer über, frei in den Tag hinein, sondern unser Alltag ist wieder organisierter und wir natürlich nicht mehr nur noch den ganzen Tag in der Nachbarschaft und Umgebung unterwegs.

Wobei sich Eines erhalten hat, sobald die Kinder im Bett sind, trifft sich unser Nachbarschaftsgrüppchen im Hof und trinkt Etwas zusammen, bespricht die Ereignisse des Tages und unterhält sich einfach ein Weilchen und geniesst das Zusammensein. Auch hier natürlich bei weitem nicht mehr so lange, wie zu Ferienzeiten, immerhin müssen einige von uns nun wieder früh aufstehen. Aber es ist ein nettes Abendritual, um den Tag ausklingen zu lassen und etwas abzuschalten und gefällt mir bei weitem besser als mein übliches Verkriechen vor dem Laptop oder TV, sobald mein Mann zur Spätschicht musste und mein Einsiedlergehabe.

Als die Schule wieder anfing, wurde mein Alltag also wieder strukturierter und da fiel mir auch ein, dass ich ja noch nen Blog hatte, auf dem ich ewig nichts von mir hören liess. Nicht, dass ich den Blog vergessen hatte, nur das Bestreben, mich statt draussen mit Freunden Spass zu haben, an den Laptop zu setzen, war einfach nicht vorhanden und solange ich meinen Hoster bezahle, ist es auch egal, ob ich blogge oder nicht, der Blog verschwindet ja nicht. Höchstens ein paar Leser eventuell, aber letztlich war mir das auch fast egal. Ein paar Mal kam mir der Gedanke, ob ich denn das Bloggen überhaupt vermisse und so ganz konnte ich darauf nicht antworten. War es wirklich noch eine Leidenschaft, oder einfach nur noch Gewohnheit?

Hatte ich mich nicht in den letzten Monaten immer wieder aufraffen müssen, um Etwas am Blog zu arbeiten? War das ein gutes Zeichen? Oder lag das einfach an meiner Depression und meinem Gemütszustand und dem Fakt, dass mir generell für ALLES die Motivation fehlte?

So ganz hatte ich keine Antwort drauf, wusste aber auch, dass mir das Bloggen unglaublich fehlen würde…

Nur die Art und Weise, wie sich das Bloggen entwickelt hat, das gefiel mir nicht mehr wirklich.

Ich hatte die letzten Wochen zwar nicht grossartig gebloggt – gar nicht, um genau zu sein – aber dennoch Ideen gesammelt und ein bisschen Vorarbeit für Posts gemacht. Vor allem aber habe ich mich in ein paar Amerikanischen Bloggergruppen angemeldet und ein paar Austauschgruppen für Blogger und mich neu eingelesen. Obwohl ich schon seit gut 10 Jahren blogge, mittlerweile hat sich Bloggen zu einem Business mit eigenen Regeln und quasi einer Wissenschaft entwickelt. Neue Netzwerke müssen kennengelernt und ausgenutzt werden, Pinterest richtig verstanden und genutzt werden, dann sind da noch professionelle FB und Instagram Strategien, um ja nicht unterzugehen und auf jeden Fall konstant zu wachsen. Und Monetarisieren! Das grosse Thema. Die meisten Menschen starten keinen Blog mehr, weil sie eine Leidenschaft fürs Schreiben, Fotografie etc. haben und sich mitteilen und austauschen wollen, sondern um pur Geld zu verdienen.

Was auch absolut legitim ist, nur vermisse ich die persönliche, die tiefere Ebene, die aktuell unter Dingen wie „Nische festlegen“, SEO und Monetarisierung und Klick Konvertierungen und anderem businessorientierten Geplänkel immer weiter zu verschwinden scheint.

Den Profis in diesen Gruppen nach, mache ich Alles falsch, was man nur falsch machen kann, zu wenig SEO, zu viele Themen und Interessen, zu wenig Branding und Wiedererkennungswert und zu viel Persönliches.

Und ehrlicherweise – es ist mir egal.

Ich schreibe nicht, weil ich damit Unmengen an Kohle mache, der Zug ist längst abgefahren, der fuhr ab, als ich meinen alten Blog zumachte, weil ich auf die ewigen Kooperationen und das ewige Getue, mein neuestes kostenloses Produkt sei mein neuer heiliger Gral, der 7. in 2 Monaten, keinen Bock mehr hatte. Als ich feststellte, dass ich die Leute nicht zum dumpfen Nachkaufen, sondern lieber zum Nachdenken anregen wollte.

Und damit bin ich auch zufrieden.

Ich bin nicht gewillt, hier auf der einen Seite über Nachhaltigkeit im Alltag und ein Überdenken des Konsumverhaltens zu schreiben, gleichzeitig aber Amazon Affiliate Links in meine Posts zu klatschen. Das passt nicht, das ist irgendwie fake, und das will ich nicht.

Und siehe da, sobald ich mit dieser Erkenntnis meinen Frieden machte, flossen die Worte plötzlich nur so aus mir raus.

Nach Monaten, in denen ich kaum einen Satz zu Papier bringen konnte, purzeln die Worte und Sätze nur so.

Es war ein guter Sommer, ein lebensverändernder Sommer, einer, der mir ein grosses Stück Leben und Lebensfreude zurück brachte.

Wer hätte gedacht, dass ich meine Lebensfreude in Kentucky wiederfinde…?

Wie war Euer Sommer so?

Wie waren die letzten Monate denn so bei Euch?

Ist Euch auch etwas Bahnbrechendes passiert, oder ist Alles wie immer?

Wünscht Ihr Euch vielleicht Veränderung, die noch immer auf sich warten lässt?

Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

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