INTERVIEW – Leben mit Psychischen Störungen – Betroffene und Angehörige berichten #9

Entschuldigung, ich hab nicht aufgepasst, was ich da denke und es gerade wieder vergessen. – Shelley Curtiss 

ADS gehört mit zu den am missverstandendsten und am meisten belächelten Krankheiten. „Nur erfunden“, „pure Einbildung“ und mehr wird Betroffenen oftmals vorgeworfen. 

Aber wie ist das Leben mit ADS denn eigentlich, wie wirkt sich die Krankheit auf den Alltag, Familie und Berufsleben aus? 

Heute gibt uns Cynthia einen kleinen Einblick in ihr Leben mit ADS, welche Erfahrungen sie gemacht hat, wie sie und ihr Umfeld mit der Krankheit umgehen und wie diese sich eigentlich äussert. 

Cynthia ist geschieden, mit einem Kind und gelernte Bürokauffrau mit Weiterbildung zur Buchhaltung und aktuell Arbeitsunfähig und war so nett, sich für ein Interview bereitzustellen. 

Wann und wie kam die Diagnose? 

2017 während einer Verhaltenstherapie zwecks Depressionen

Was genau hast du, erkläre deine Krankheit kurz

ADS – Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, eine genetisch bedingte (und damit vererbbare) Stoffwechselstörung im Gehirn – Mangel an Dopamin und Noradrenalin und dadurch verschiedenste Symptome wie Konzentrationsstörung, Aufmerksamkeitsschwäche, ungefilterte Aufnahme aller Reize – dadurch schnelle Überflutung durch ebendiese Reize 

Beschreibe Deinen Weg durch Therapien und Medikamente

Durch unbehandeltes ADS bekam ich Depressionen, wegen dieser war ich in Behandlung. Erst Tagesklinik – dann Verhaltenstherapie. Die Depression konnte erfolgreich behandelt werden. Jedoch gab es immer noch Schwierigkeiten. Meine Therapeutin ist auf ADS/ADHS spezialisiert und erkannte früh bereits Anzeichen. In genau dieser Situation sprach sie mich darauf an und wir machten den Test. Medikamente nehme ich (noch) keine. Ich bin weiter in Therapie und lerne viel darüber mit ADS zu leben. 

Welche Einschränkungen oder Probleme hast du im Alltag, was fällt dir schwer, was macht dir Angst? 

Vieles fällt mir schwer, besonders, mich auf wichtige Dinge zu konzentrieren, mich zu organisieren und zu strukturieren. Dies zieht sich durch alle Lebenslagen. Ich bin schnell abgelenkt und schiebe oft Dinge die ich nicht gerne tue, weit raus. Auch Anderen zuhören, Alles aufnehmen und mir merken fällt sehr schwer. Besonders bei wichtigen Terminen ist das sehr ungünstig.

Welche Auswirkungen hat deine Erkrankung auf dein Privatleben, dein Beziehungsleben, dein Familienleben, deinen Berufsalltag? 

Aufgrund von Impulsivität und dass ich mich oft selbst nicht unter Kontrolle habe, ist der Umgang allgemein mit einem sozialen Umfeld schwierig. Eben auch das „nicht zuhören Können“ fällt besonders auf. Man wird ausgegrenzt und gilt als „merkwürdig“.

Wie geht dein Umfeld damit um, weiss es davon? 

Ich gehe sehr offen mit meinem ADS um. Mein Umfeld weiß davon. Schwierig ist ganz besonders das Wissen darüber. Es gibt viel Halbwissen. Aber auch viel falsche Informationen über ADS gehen um. Die Gesellschaft ist zwiegespalten über ADS. Viele wissen einfach zu wenig darüber, um wirklich zu verstehen. Das merkt man besonders. Ich glaube, daher meiden viele gerne das Thema. Andere widerrum glauben, ich bräuchte besonders viel Hilfe und bevormunden mich.
Es ist sehr unterschiedlich.

Was würdest du dir von der Gesellschaft und deinem Umfeld im Bezug auf psychische Erkrankungen wünschen? 

AKZEPTANZ!!!!!!

Ich danke Cynthia hier vielmals für Ihre Offenheit und Bereitschaft, Ihre Erfahrungen und Ihre Geschichte zu teilen. 

Auf Ihren Wunsch verlinke ich hier ausserdem die Seite ADHS Deutschland, die über die Krankheit umfassend aufklärt, Resourcen und wertvolle Tipps für Betroffene und Angehörige liefert. 

Wenn auch DU gerne Deine Geschichte erzählen würdest, ob anonym oder offen, melde Dich gerne via Kommentar oder aber Email (lostbehindthemirror@gmail.com) bei mir. Mit allen Daten wird natürlich streng vertraulich umgegangen.

 

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