Klischees, Vorurteile und Fragen rund ums Leben in den USA – Teil 2

Heute geht es weiter mit der USA Klischee Reihe, in der ich Einblick in das Leben in den USA gebe, eure Fragen zum Thema Leben in den USA beantworte und den gängigen Vorurteilen und Missverständnissen über den Alltag hier drüben auf den Grund gehe. 
Alle zwei Wochen, jeweils Montags, findet ihr einen neuen Beitrag zu dieser Reihe bei mir auf dem Blog. 
Heute beschäftige ich mich mit Dingen wie den Preisen von Salat in Restaurants, den Preisen von Soft Drinks und Cola etc. verglichen mit Wasser und was an dem Klischee, dass Amerikaner NIE irgendwo hin laufen, eigentlich dran ist. 

Salat in Restaurants etc. ist super billig, weil das Grünzeug doch eh keiner isst

 

Ein Klischee, bei dem ich etwas schmunzeln musste – wo es herkommt, ist klar, es schwingt, wie bei so vielen Klischees, der Gedanke mit, dass die Amerikaner sich grundsätzlich sehr schlecht und ungesund ernähren. 
Natürlich ist das so einfach nicht der Fall, einige, viele, aber eben nicht alle. Aber auf dieses Klischee mit der schlechten Ernährung werde ich in einem gesonderten Post noch exakter eingehen. Es ist aber generell mal so richtig oder falsch, wie zu behaupten, alle Deutschen ernähren sich schlecht. 
Das Klischee ist so natürlich nicht richtig, aus zweierlei Gründen nicht: 
1) Amerikaner essen durchaus auch sowas wie Salat 
2) wenn Salat eingekauft werden muss, aber nicht genug verwertet wird, treibt das die Kosten pro Portion hoch, er wird teurer, nicht billiger. 
Und genau das ist auch hier eher der Fall – die meisten Restaurants bieten Salat an, zu normalen Preisen, Fast Food Restaurants bieten auch Salate an, diese sind in der Tat meist etwas teurer als das normale Menu, was natürlich schade ist, aber Salat bzw. gesunde Ernährung ist nun mal NICHT das Hauptangebot bei Fast Food oder Junk Food Ketten. Nicht selten bieten Restaurants eine All You Can Eat Salat Bar an, ein Angebot, was gerne und ausgiebig von Kunden genutzt wird. 
 
 

Soft Drinks / Soda ist billiger als Wasser

Mal wieder eines der Klischees, bei dem ich nur spekulieren kann, wie es entstanden sein könnte. Eventuell basierend auf der Annahme, dass die USA sowieso keine Essens-Kultur hätten und es eh fast nur Fast Food und entsprechend auch Soft Drinks gäbe? Daraufhin sicherlich die Schlussfolgerung, Wasser ist viel zu langweilig und gesund, das wird nicht getrunken, das muss also teuer sein… 
 
Dem ist aber in der Tat nicht so – die meisten Restaurants und Fast Food Läden bieten Wasser komplett UMSONST an. Nur wer Wasser von einer Markenfirma oder Sprudelwasser haben will, muss natürlich dann etwas bezahlen. 
 
Auch in den Supermärkten ist Wasser NICHT teurer als Soft Drinks, sondern kostet meistens sogar weniger, wenn man jetzt nicht zu den „Luxuswassermarken“ wie Fiji oder Voss greift. Und selbst die sind nicht extrem teuer. 
 
Die meisten öffentlichen Gebäude haben übrigens kostenlose Wasserfontänen, an denen man sich frei bedienen kann, seine Wasserflasche umsonst auffüllen oder einfach so schnell was trinken kann. 

Die Amerikaner laufen niemals irgendwo hin, sie fahren IMMER mit dem Auto

SO nicht ganz falsch, in der Tat laufen die Amis weniger als die Deutschen, sondern fahren viel öfter in den Supermarkt, zum Einkaufen, egal wo hin. 
Das liegt aber meist nicht daran, dass sie faul sind (diese Exemplare gibt es natürlich auch, aber die gibt es überall), oder auf wundersame Weise durch ihre Nationalität bewegungseingeschränkt sind, nein, in der Regel liegt es an der anderen Infrastruktur. 
 
Deutschland ist von der Landesgrösse her schon nur ein Bruchteil der Größe der USA – natürlich ist da auch alles näher zusammen und schneller erreichbar. Dazu kommt, dass Deutschland ein gutes Netzwerk von öffentlichen Verkehrsmitteln hat, die gibt es in den USA zwar auch, aber eher in den Großstädten, sobald man die verlässt, wird es schon schwerer. Hier ist alles weiter weg, während ich in Deutschland 3 Supermärkte in Laufweite hatte, die unter 10 Minuten Fussweg weg waren, habe ich hier keinen einzigen in Laufweite. Der nächste Supermarkt ist fast 4 km einen Weg entfernt, KANN man natürlich noch laufen, ist aber weit und spätestens, wenn man Einkäufe schleppen muss, nicht mehr so angenehm. Ausserdem ist der Supermarkt zum Beispiel absolut überteuert, der nächste Markt mit normalen Preisen ist schon wieder fast 10 km weit weg, kein Fussweg, kein Bürgersteig, nicht mal ein Radweg, sondern Landstrasse. Das läuft man dann schon gar nicht mehr. 
Wenn ich in einen speziellen Laden muss, einen Elektronikfachhandel oder zum Arzt, dann belaufen sich die Entfernungen schon auf über 20 km und das gilt hier als “ums Eck”. 
Dementsprechend bleibt einem nichts anderes übrig, als mit dem Auto zu fahren. 
Die Infrastruktur in den USA wurde um das Auto drum herum gebaut und auf Autos ausgerichtet, nicht aufs Laufen. Über Jahrzehnte haben Städteplaner etc. die Infrastruktur auf Autofahrer zugeschnitten und optimiert. Mittlerweile gibt es Tendenzen und Trends, Städte und Wohngegenden, Infrastruktur generell etwas unabhängiger vom Besitz eines eigenen Automobils zu gestalten, was aber teuer und aufwendig ist. 
Das Klischee hat also durchaus einen wahren Kern. 

Ich hoffe, dieser kleine Einblick in das Leben in den USA hat euch gefallen. 
Falls euch noch weitere Klischees oder Fragen zum Leben in den USA einfallen, hinterlasst mir gerne einen Kommentar, ich werde sie in weiter folgenden Beiträgen zu dieser Reihe jeweils Montags beantworten und unter die Lupe nehmen. 

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