Mythen und Irrglauben über Suizid – ein Aufklärungsartikel

Ich will sterben.

Wie geht man damit um, wenn man diesen Satz im Umfeld hört?
Wie kann man jemandem helfen, der Todessehnsucht äussert und KANN man der Person überhaupt helfen und sollte man überhaupt? Ist es denn nicht so, dass Leute, die wirklich Suizid begehen wollen, es einfach tun und nicht drüber reden? Will die Person jetzt nur Aufmerksamkeit?

Suizid ist immer noch grosses Tabuthema, kein Wunder, es ist mit Leid und Schmerz verbunden, sicherlich kein Thema, das man beim Sektfrühstück mit Frenden neben der Diskussion darum, welchen Film man sich am Wochenende im Kino anschaut, einfach mal eben so bespricht. Eigentlich redet man gar nicht drüber…

Und genau das ist das Problem.

Man redet nicht drüber, es ist tabu, so zu denken, ist tabu. Sterben zu wollen, ist tabu. So zu leiden, dass man mit dem Leben nicht mehr klarkommt, ist tabu. Es ist egoistisch. Es ist schwach. Es ist faul. Es ist ein Schrei nach Aufmerksamkeit, der gerade in dieser Form gerne ignoriert und nicht ernst genommen wird. Es ist ein No Go. Es ist undankbar. Es ist ein Tabu.

Heute soll es um Miskonzeptionen und Vorurteile und falsche Vorstellungen zum Thema Suizid gehen, das Ziel ist es, durch Aufklärung mehr Verständnis und mehr Hilfotpionen für Betroffene und Angehörige an der Hand zu haben und eventuell sogar Freitode verhindern zu können.

VORSICHT – DIESER ARTIKEL ENTHÄLT EVENTUELL TRIGGERNDE INHALTE ZUM THEMA SUIZID 

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Interview Reihe Leben mit Psychischen Störungen – Betroffene und Angehörige berichten #4

„Ich wünsche mir, dass offen darüber (psychische Kranhkeiten) gesprochen wird und die betroffenen Menschen unterstützt werden, die Mauer zu erklimmen, denn alleine stehen wir es nicht durch! Macht euch darüber nicht lustig (…), denn dadurch fühlen wir uns noch wertloser. Hört zu, redet mit ihnen und seid für sie da, denn sie brauchen euch, besonders die Familie!
Lasst sie nicht fallen, sondern gebt ihnen die Hand, um aufzustehen und nicht aufzugeben. Denn jeder Mensch ist etwas Besonderes.“

Innerhalb eines Jahres erkrankt in Deutschland jeder dritte Erwachsene an einer psychischen Krankheit, so die Bundespsychotherapeutenkammer auf ihrer Homepage. Psychische Krankheiten, wie Borderline, Depressionen und vieles mehr sind keine Seltenheit, im Gegenteil, schon fast ein „normaler“, zu erwartender Teil des Lebens. Leider auch immer noch massiv tabuisiert, etwas, worüber man nicht redet.
Jeden zweiten Samstag wird hier ein kleines Interview mit Betroffenen oder Angehörigen veröffentlicht werden, eine kleine Plattform, um seine Geschichte und Erfahrungen anonymisiert (wenn gewünscht) zu teilen, Mut zu machen, sich auszutauschen. Denn genau das ist der Wunsch nur zu vieler Betroffener.

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Interview Reihe Leben mit Psychischen Störungen – Betroffene und Angehörige berichten #3

Wochenlange sass ich daran, Emails und Private Nachrichten auf Facebook, dem Blog und Instagram zu beantworten, mit einem solchen Ansturm hätte ich niemals gerechnet, als ich vor ein paar Wochen nach Freiwilligen für eine kleine Interview Reihe zum Thema Psychische Störungen gefragt hatte. Vielleicht melden sich ja 2 oder 3 Leute, die berichten wollen, dachte ich mir. Dass ich hunderte und hunderte von Mails und PMs bekam, damit rechnete ich nicht. Auch rechnete ich nicht mit der Offenheit, mit der Ihr berichtet habt, mit dem tiefen Drang, der allgemein zu bestehen scheint, offen und ohne Verurteilung über diese sensiblen Themen zu reden.
In den letzten Artikeln berichtete ich über mein eigenes Leben mit Borderline, Suizidalität und stark selbstdestruktivem und in dem Zuge selbstverletzendem Verhalten, sowie eine Form der Essstörung, Panikattacken, Schlafstörungen, mangelnde Emotionskontrolle, gestörtes Selbstbild, depressive Episoden. Imposante Liste oder? Aber es geht….
Und danach veröffentlichte ich ein Interview mit meinem Mann, in dem er sich mal zu Wort meldete und erzählte, wie denn das Leben mit so jemandem wie mir ist.


Ab heute soll es mit EUREN Geschichten losgehen, Du hast hier die Möglichkeit, anonymisiert über Deine eigene Geschichte zu berichten, wenn Du magst, kannst Du natürlich auch ganz einfach offen berichten. Ich habe die Möglichkeit der Anonymisierung gewählt, da psychische Störungen oftmals immer noch ein Tabuthema sind, etwas, worüber man nicht spricht. Entsprechend leiden viele Betroffene oft still vor sich hin und wagen nicht einmal, sich professionelle Hilfe zu holen, aus Angst, verurteilt und abgestempelt zu werden. Wer mag schon „irre“ sein? Oftmals wird man mit Depressionen als „faul“ abgestempelt, wer mit Postpartum Depressionen kämpft, als „unliebende Mutter“, mit Borderline als „aufmerksamkeitsgeile Alte“ und so weiter. Viele Betroffene schämen sich auch, dass sie „ihr Leben nicht einfach im Griff haben“. Das Tabu soll und kann gebrochen werden, Aufklärung und Offenheit sind der erste Schritt dazu und damit das einfacher fällt, eben die Option der Anonymisierung.

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DU BIST NORMALER, ALS DU DENKST… EINE INTERVIEW REIHE – LEBEN MIT PSYCHISCHEN STÖRUNGEN, BETROFFENE UND ANGEHÖRIGE BERICHTEN – Mein Mann berichtet

Letztens habe ich meine Geschichte veröffentlicht und offen über mein Leben mit psychischen Störungen geschrieben. Das war der Auftakt zu einer Interview Reihe mit Betroffenen und Angehörigen, jeden Freitag kommt eine neue Geschichte und Lebenserfahrung hier auf LostBehindTheMirror online.
Heute wird es noch einmal persönlich, bevor es dann mit EUREN Geschichten weitergeht, mein Mann berichtet – als Angehöriger über das Leben mit MIR.

Wir sind seit bald 8,5 Jahren zusammen, seit über 6 Jahren verheiratet, wir waren nach einer Woche verlobt, 2 gemeinsame Kinder, haben meinen Suizidversuch und seine Verletzung im Einsatz im Afghanistan gemeinsam durchgestanden, ich bin von England nach Deutschland gezogen und dann in die USA, wir haben also so Einiges gemeinsam durch.
Hättest Du Interesse daran, dass ich mal unsere „Lovestory“ aufschreibe? Wie wir uns kennengelernt haben, wie das eigentlich kam, das wir nach einer Woche verlobt waren und wie das war, als er im Einsatz war, als er verletzt wurde etc.?

Aber heute ist etwas anderes Thema hier, nämlich wie denn das Leben so ist, mit Jemandem, der wegen Chicken Nuggets anfangen kann zu heulen, wie ein kleines Kind, mit Jemandem, dessen Stimmung jede Sekunde komplett ins Gegenteil kippen kann.
Wie ist das Leben mit Jemandem, dem man vor Jahren wortwörtlich das Leben gerettet hat, indem man einen Suizid durchkreutzt hat?
Wie ist das Leben mit Jemandem, der im Supermarkt anfängt zu weinen, weil eine Panikattacke eingetreten ist?

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Du bist normaler, als du denkst… Eine Interview Reihe – Leben mit Psychischen Störungen, Betroffene und Angehörige berichten

Ich weiss gar nicht mehr, wie oft ich nun schon angefangen habe, zu tippen, nur, um dann doch wieder Alles zu löschen…
Ich weiss nicht, wo ich anfangen soll. In der Regel fängt man am Anfang an, aber das ist gar nicht so leicht, wenn man nicht weiss, wann der eigentlich war. Oder warum. Es ist wie die Frage danach, wann und warum der Urknall eigentlich genau war. Oder ob die Henne oder das Ei eher da waren – mittlerweile geht man ja davon aus, dass das Ei zuerst da war, sogar das ist einfacher, als der Anfang dieses Textes…
Kleinere Schreibblockaden sind keine Seltenheit, meist kommen sie auf, wenn ich noch nicht so ganz sicher bin, was ich eigentlich schreiben will. Sie vergehen meist schnell wieder. Das hier ist aber anders. Ich weiss genau, worüber ich schreiben will, das Thema ist klar, die Geschichte schon längst passiert, ich war bei allem dabei, kenne jedes Detail. Aber sie in Worte zu fassen, zu Papier zu bringen, sie zu verewigen, das fällt schwer. Jedes Wort, jeder Satz hört sich fremd an, falsch…
Ich weiss auch, was es ist, das mich so behindert. Scham, Angst, das immer neu heraufwallende Gefühl „Warum kann ich eigentlich nicht normal sein…?“
Normal. Was ist schon normal? Normal ist vor allem relativ…


Aber auch dieses Wissen ist kein Trost. Die bohrende Frage bleibt, sie kommt immer wieder, egal in welche tiefen, dunklen Ecken ich sie dränge, sie findet immer wieder ihren Weg zurück an die Oberfläche, um dann nur noch dringlicher zu scheinen, mich fast anzubrüllen. Mitschwingend eine dunkle, unausweichliche Wahrheit, die mit jedem Mal, das ich diese Frage stelle, nur deutlicher wird: du bist NICHT normal. Kein Warum erstmal, nur diese kleine Feststellung, diese kleine Wahrheit, die so Vieles manchmal so schwer macht.
„Was ist schon normal…?“, versuche ich mir noch ein weiteres Mal selbst Mut zuzusprechen. Mein Blick schweift auf ein paar Zeitungen, die einen Glamour Shot von Harley Quinn und dem Joer zeigen. Suicide Squad ist immer noch hip, die alten Gegner Batmans wurden neu aufgezogen, modernisiert, sie sind mittlerweile eigene Helden und Berühmtheiten, sind cool – nur eine Sache blieb: sie sind nicht „normal“, selbst in einer Welt voller Superhelden und Superbösewichte stechen sie heraus. Irres Gelächter, wirre Sätze, radikale Aktionen, unsere neuen Ikonen haben ne Schraube locker, das ist ganz klar, das war es schon immer. An Fastnacht und Halloween gab es zig Joker und Harley Kostüme, ihre Gesichter zieren Merchandise und T Shirts. Jeder will ein bisschen Joker und Harley sein, das irre Pärchen, das so viel Spass hat. Nicht normal sein ist cool. Ne Schraube locker haben, ist ok….
Nur eine Sache stört: Es ist mehr, als nur eine Schraube locker zu haben und sich nicht darum zu scheren, was Andere denken und zu tun, was man will. Ne Schraube locker haben ist nur solange ok, solange es irgendwie „ansehnlich“ oder „cool“ ist. Mit dem Rest, den wollen wir nicht sehen, damit wollen wir doch nichts zu tun haben…

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