Du hast ja nen ganz schön fetten Arsch bekommen – Mein Weg in die Essstörung

Triggerwarnung – Psychische Erkrankungen, Essstörung 

„Als du hergezogen bist, da warst voll hübsch – aber jetzt hast ja nen ganz schön fetten Arsch bekommen…“

Dieser Satz, ausgesprochen von genau dem Jungen, in den ich mich verknallt hatte, schmerzte mehr als jeder Schnitt mit einer Klinge, den ich mir danach angetan habe, es jemals tun würde. Er schmerzte mehr, als die Hungerkrämpfe, in die mein Magen in den kommenden Monaten und Jahren immer wieder verfallen würde. 

Es war einer der ersten milderen Tage nach einem sehr kalten Winter, ein kleines Grüppchen 13 und 14Jähriger auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause, die Schule war für den Tag herum und auf dem Nachhauseweg wurden Pläne für den Nachmittag geschmiedet. Wir lachten und alberten und diskutierten, ob wir nach dem Mittagessen und den Hausaufgaben an den Weiher oder nicht lieber doch ins alte Lagerhaus wollten. Das Dorf, in dem wir wohnten, war nicht sonderlich gross, ausser einem kleinen Tante Emma Laden, einer Schlecker Filiale und einem Metzger gab es nichts wirklich, Plätze für Teenager schon mal gar nicht. Meine Eltern waren vor ca. einem halben Jahr erst mit mir dort hingezogen und ich hatte dieses „doofe Kaff“, wie ich nicht müde wurde, zu bemerken, anfangs absolut gehasst. Ich vermisste meine alten Freunde und meine alte Stadt und war fest gewillt, meinen neuen Wohnort für immer zu hassen. Nach einigen Monaten hatte ich dennoch etwas Anschluss gefunden, ein paar Gleichaltrige Teenager aus der Nachbarschaft, mit denen ich auch im Bus zur Schule fuhr, nahmen mich auf Ausflüge mit und zeigten mir die Gegend – langsam aber sicher wurde meine Abneigung etwas geringer und ich glaubte sogar, ich könnte neue Freunde finden und in dem kleinen Dorf eventuell doch etwas Spass haben. Einer der Jungs aus der Nachbarschaft war sogar ganz süss, ich hatte mich ein kleines bisschen verknallt und gehofft, dass auch dieser an dem Nachmittag wieder dabei sein würde. Und dann fiel dieser Satz, von genau ihm…

Um mich herum brach man in Gelächter aus, der Guteste hatte einen harmlosen Scherz gemacht, der auch sogleich wieder vergessen war, denn wenige Sekunden später wurden wieder Pläne für den Nachmittag geschmiedet.
„Um 15.00 Uhr am Dorfweiher!“, wurde abgemacht.
Ich trabte den Rest des Weges nach Hause schweigend ein paar Schritte hinter der Gruppe und mit gesenktem Kopf her und beteiligte mich nicht mehr an der Unterhaltung. Ich traf mich diesen Nachmittag nicht mit den Leuten aus der Nachbarschaft, ich ging nicht an den Weiher und würde es auch niemals wieder tun.
An diesem Tag ging ich nach Hause, stellte mich auf die Waage und entschied, dass ich um jeden Preis etwas ändern würde.
Dieser für die Anderen so harmlose Satz, der wohl nach wenigen Sekunden von Allen schon wieder vergessen war, würde mich noch lange verfolgen und letztendlich damals noch ungeahnte, massive Folgen haben. 

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Interview Reihe Psychische Störungen – Angehörige und Betroffene berichten – #7

Alles, was du dir im Geist vorstellst,
wird Wirklichkeit,
wenn du nicht aus dem Licht deines Herzens heraus trittst.

Indianische Weisheit

 

Niemals käme man auf die Idee, das gebrochene Bein zu verstecken, das man sich im Ski-Urlaub zugezogen hat, weil man Angst hat, deswegen verurteilt zu werden oder nicht Ernst genommen zu werden. „Weg mit den Krücken und stell dich nicht so an… “ würde man wohl eher wenig zu hören bekommen. Krankheiten, die sichtbar sind, deren Einschränkung direkt bemerkbar ist, werden selten heruntergespielt oder in Frage gestellt. Bei Krankheiten, die man nicht sehen kann, sieht das oft anders aus. Da wird oft versteckt, es fehlt der Mut, offen zu sein, aus Angst, dass einem nicht geglaubt wird, dass man nicht Ernst genommen oder sogar angegriffen wird. Wie will man denn auch beweisen, dass es einem so schlecht geht, dass man nicht aufstehen kann, wenn einem rein körperlich und äusserlich nix fehlt? 

Besonders extrem ist das im Bereich der psychischen Krankheiten, ein Tabuthema, etwas, worüber man nicht spricht, etwas, das man nicht sehen will. Die Betroffenen schweigen und leiden oft im stillen, was die Krankheit oftmals noch weniger erträglich macht und zusätzlich belastet. Das Stigma ist noch gross, die Missverständnisse und das Unwissen auch. 

Umso wichtiger ist, dass das angebliche Tabu gebrochen wird, diese Dinge thematisiert werden und weitläufige Aufklärung stattfindet. Dieses ist mitunter das Ziel dieser Interview Reihe mit Betroffenen und Angehörigen von psychischen Störungen. Die verschiedenen Geschichten aus allen Schichten, Geschlechtern und Lebensbereichen sollen aufzeigen, wie „normal“ und weit verbreitet diese unsichtbaren Krankheiten sind. Sie sollen anderen Betroffenen zeigen, dass sie nicht alleine sind und Nicht Betroffenen einen kleinen Einblick in das Leben mit diesen Krankheiten geben. 

Heute berichtet Julia vom Blog FreshStartEveryDay von ihrem Leben mit Depressionen und Borderline und wie sie ihr Leben mit diesen Krankheiten meistert. 

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Interview Leben mit Psychischen Störungen – Betroffene und Angehörige berichten #6

Der Depression eine Bedeutung zu geben ist besser, als sich von der Depression eine Bedeutung geben zu lassen. 

Benno Blues

 

Als Teenager und junger Erwachsener ist man ein freier, wilder, unbeschwerter, junger Mensch, ohne Sorgen und Probleme, das Leben noch vor sich. So zumindest die grundlegende Annahme. Dass ein junger Mensch, der noch Alles vor sich hat, schon im zarten Alter von 15 Jahren einen Suizidversuch unternimmt, kann man sich kaum vorstellen – und dennoch passiert es. 

Heute berichtet eine junge Frau von gerade 20 Jahren mutig und offen über Ihr Leben mit Depressionen und Borderline. 

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Mythen und Irrglauben über Suizid – ein Aufklärungsartikel

Ich will sterben.

Wie geht man damit um, wenn man diesen Satz im Umfeld hört?
Wie kann man jemandem helfen, der Todessehnsucht äussert und KANN man der Person überhaupt helfen und sollte man überhaupt? Ist es denn nicht so, dass Leute, die wirklich Suizid begehen wollen, es einfach tun und nicht drüber reden? Will die Person jetzt nur Aufmerksamkeit?

Suizid ist immer noch grosses Tabuthema, kein Wunder, es ist mit Leid und Schmerz verbunden, sicherlich kein Thema, das man beim Sektfrühstück mit Frenden neben der Diskussion darum, welchen Film man sich am Wochenende im Kino anschaut, einfach mal eben so bespricht. Eigentlich redet man gar nicht drüber…

Und genau das ist das Problem.

Man redet nicht drüber, es ist tabu, so zu denken, ist tabu. Sterben zu wollen, ist tabu. So zu leiden, dass man mit dem Leben nicht mehr klarkommt, ist tabu. Es ist egoistisch. Es ist schwach. Es ist faul. Es ist ein Schrei nach Aufmerksamkeit, der gerade in dieser Form gerne ignoriert und nicht ernst genommen wird. Es ist ein No Go. Es ist undankbar. Es ist ein Tabu.

Heute soll es um Miskonzeptionen und Vorurteile und falsche Vorstellungen zum Thema Suizid gehen, das Ziel ist es, durch Aufklärung mehr Verständnis und mehr Hilfotpionen für Betroffene und Angehörige an der Hand zu haben und eventuell sogar Freitode verhindern zu können.

VORSICHT – DIESER ARTIKEL ENTHÄLT EVENTUELL TRIGGERNDE INHALTE ZUM THEMA SUIZID 

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Interview Reihe Leben mit Psychischen Störungen – Betroffene und Angehörige berichten #5

„Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn es anders wird. Wenn es aber besser werden soll, muss es anders werden.“
Georg Christoph Lichtenberg

Heute berichtet S. L. , 35 Jahre alt und Mutter, von ihrem Leben mit Angsttörungen und Panikattacken.
Eine bewundernswert stark wirkende Frau, die in diversen Social Media Gruppen immer gerne und schnell mit intelligenten und hilfreichen Kommentaren da ist, eine Frau, die unerschütterlich nach aussen wirkt und als hätte sie immer komplett alles im Griff. Jemand, den man gängig als Powerfrau bezeichnen würde. Aber auch Superwoman hat ihr Kryptonit. Wir sind alle nur menschlich…

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