Du bist normaler, als du denkst… Eine Interview Reihe – Leben mit Psychischen Störungen, Betroffene und Angehörige berichten

Ich weiss gar nicht mehr, wie oft ich nun schon angefangen habe, zu tippen, nur, um dann doch wieder Alles zu löschen…
Ich weiss nicht, wo ich anfangen soll. In der Regel fängt man am Anfang an, aber das ist gar nicht so leicht, wenn man nicht weiss, wann der eigentlich war. Oder warum. Es ist wie die Frage danach, wann und warum der Urknall eigentlich genau war. Oder ob die Henne oder das Ei eher da waren – mittlerweile geht man ja davon aus, dass das Ei zuerst da war, sogar das ist einfacher, als der Anfang dieses Textes…
Kleinere Schreibblockaden sind keine Seltenheit, meist kommen sie auf, wenn ich noch nicht so ganz sicher bin, was ich eigentlich schreiben will. Sie vergehen meist schnell wieder. Das hier ist aber anders. Ich weiss genau, worüber ich schreiben will, das Thema ist klar, die Geschichte schon längst passiert, ich war bei allem dabei, kenne jedes Detail. Aber sie in Worte zu fassen, zu Papier zu bringen, sie zu verewigen, das fällt schwer. Jedes Wort, jeder Satz hört sich fremd an, falsch…
Ich weiss auch, was es ist, das mich so behindert. Scham, Angst, das immer neu heraufwallende Gefühl „Warum kann ich eigentlich nicht normal sein…?“
Normal. Was ist schon normal? Normal ist vor allem relativ…


Aber auch dieses Wissen ist kein Trost. Die bohrende Frage bleibt, sie kommt immer wieder, egal in welche tiefen, dunklen Ecken ich sie dränge, sie findet immer wieder ihren Weg zurück an die Oberfläche, um dann nur noch dringlicher zu scheinen, mich fast anzubrüllen. Mitschwingend eine dunkle, unausweichliche Wahrheit, die mit jedem Mal, das ich diese Frage stelle, nur deutlicher wird: du bist NICHT normal. Kein Warum erstmal, nur diese kleine Feststellung, diese kleine Wahrheit, die so Vieles manchmal so schwer macht.
„Was ist schon normal…?“, versuche ich mir noch ein weiteres Mal selbst Mut zuzusprechen. Mein Blick schweift auf ein paar Zeitungen, die einen Glamour Shot von Harley Quinn und dem Joer zeigen. Suicide Squad ist immer noch hip, die alten Gegner Batmans wurden neu aufgezogen, modernisiert, sie sind mittlerweile eigene Helden und Berühmtheiten, sind cool – nur eine Sache blieb: sie sind nicht „normal“, selbst in einer Welt voller Superhelden und Superbösewichte stechen sie heraus. Irres Gelächter, wirre Sätze, radikale Aktionen, unsere neuen Ikonen haben ne Schraube locker, das ist ganz klar, das war es schon immer. An Fastnacht und Halloween gab es zig Joker und Harley Kostüme, ihre Gesichter zieren Merchandise und T Shirts. Jeder will ein bisschen Joker und Harley sein, das irre Pärchen, das so viel Spass hat. Nicht normal sein ist cool. Ne Schraube locker haben, ist ok….
Nur eine Sache stört: Es ist mehr, als nur eine Schraube locker zu haben und sich nicht darum zu scheren, was Andere denken und zu tun, was man will. Ne Schraube locker haben ist nur solange ok, solange es irgendwie „ansehnlich“ oder „cool“ ist. Mit dem Rest, den wollen wir nicht sehen, damit wollen wir doch nichts zu tun haben…

Weiterlesen „Du bist normaler, als du denkst… Eine Interview Reihe – Leben mit Psychischen Störungen, Betroffene und Angehörige berichten“

Outfit # 4 – Afrotatscher

Wir sind im Supermarkt, Khaleesy hilft mir gerade dabei, Obst auszusuchen, auf einmal nähert sich eine Dame, legt den Kopf schief und schaut meine Kleine an: „Oh, wie süss und diese Locken, diese Haare, herrlich, die schauen so weich aus….“ Und bevor ich es registriere und verhindern kann, streckt ebendiese Dame die Hand aus, Richtung Lockenschopf meines Kindes.
*tatsch*
*fühl*

Ein entschuldigender Blick in meine Richtung, als mein ungläubiger und wohl leicht wütender Blick registriert wird – auch wenn ich mittlerweile meine Zunge doch ganz gut im Griff habe, meine Gesichtszüge leider noch nicht so – „Oh, ich war nur neugierig, wie sich die Haare wohl anfühlen, wirklich zu süss, so ein wundervoller Lockenschopf…“

Weiterlesen „Outfit # 4 – Afrotatscher“

10 Dinge, die ich mit 30 gelernt habe

Früher wollte ich ewig jung bleiben, alt werden war doch doof, man bekommt Falten, kann nicht mehr in Clubs feiern und dann ist man eh spiessig und sowieso. Alt Werden ist kacke. Das war Faktum.
Dann kam mein 24. Geburtstag und ich fing langsam an, mich etwas alt zu fühlen, mein 25. nahte, ein Vierteljahrhundert, das gilt irgendwie als alt, zumindest damals für mich. Ich hatte Panik, echte Angst, ich wollte nicht alt werden… Ich wollte vor allem nicht wirklich und endgültig erwachsen werden, das spielte wohl auch mit rein.
An meinem 25. Geburtstag passierte nichts Erwähnenswertes, ich zerfiel nicht zu staub, noch begannen Anstrengungen in meinen näheren Umfeld mich mummifizieren zu wollen, noch reichte man mir in der Öffentlichkeit einen Gehstock. Alles war wie immer.
Mit 27 fing ich langsam aber sicher an, immer entspannter zu werden, was mein Alter anging, ich fing an, selbstsicherer und gefestigter zu sein, ich machte einen letzten Schritt in Richtung „richtig erwachsen“ in genau dieser Zeit.

23 vs. 30

Mittlerweile bin ich seit fast einem halben Jahr 30 (immer noch nicht zu Staub zerfallen, nur die langen Leinenbandagen sind was nervig manchmal) und könnte zufriedener, angekommener und glücklicher mit meinem Alter nicht sein. Ich habe einige Dinge gelernt, die mich zufriedener und entspannter gemacht haben und mein Leben massiv vereinfacht haben. Einige davon waren mir schon vor meinem 30. bekannt, gutgemeinte Tipps von Oma und Opa oder allgemeine Lebensweisheiten, die man um die Ohren gekloppt bekommt, aber es liegt ein feiner Unterschied zwischen purem Wissen und Verstehen und Anwenden. Das Wissen war teilweise schon vorher da, der Rest, der kam mit dem Älterwerden…

Weiterlesen „10 Dinge, die ich mit 30 gelernt habe“

10 positive Veränderungen für 2017

 

 

 

Darüber, wie schlimm, katastrophal und furchtbar das Jahr 2016 für mich war, habe ich mich ja nun schon zur Genüge ausgelassen…
Fakt ist allerdings, dass viele dieser negativen Dinge schlicht an mir lagen und meine Schuld waren, bedingt durch einen negativen Lifestyle, den ich mir im Jahr angeeignet habe. Normalerweise nehme ich gute Vorsätze für das neue Jahr nur selten sonderlich ernst, nach einem solchen Katastrophen-Jahr ist es allerdings fast schon mehr als symbolisch, wenn man noch einen neuen, komplett unbefleckten Kalender, ein neues, frisches Jahr vor sich hat. Man nimmt sich doch da auch immer vor, jetzt alle Termine in Schönschrift einzutragen, die hastig hingeschluderten Notizen kommen erst später im Jahr dazu…
So ist es auch mit den Vorsätzen bei mir dieses Jahr – das Resultat aus viel Reflektion und Erkenntnis. Ich kann die Welt nicht ändern, aber wenn ich mich nicht ändere, dann wird sich gar nichts ändern.


Also, da fange ich doch mal bei mir an…
Ausserdem habe ich so langsam aber sicher die Schnauze von der Lethargie des vergangenen Jahres die Schnauze voll, genug davon, nie Energie zu haben, ich immer mies zu fühlen, nie was auf die Reihe zu bekommen.
Und Gott, Leute, ich sag euch eins, ich bin alt – nee, mit 30 nicht wirklich, aber ich werde alt. So alt, dass einem der Körper selbst Kleinigkeiten im Bezug auf ungesunden und miesen Lebensstil nicht mehr so einfach verzeiht, im Gegenteil, ich bin so alt, dass mein Körper auf Sünden mit mehr Vehemenz reagiert als Trump Rally Teilnehmer auf Immigranten oder Minderheiten.
So kann das nicht weiter gehen…

Weiterlesen „10 positive Veränderungen für 2017“

2016 – Ein Jahresrückblick

Die letzten Stunden im Jahre 2016 (ihr Glücklichen, bei euch in Deutschland ist aktuell schon 2017) und ich warte quasi nur nervös drauf, dass noch was Schlimmes passiert. Irgendwas, das Jahr hat hier noch 10 Stunden, 2016 war hier so furchtbar, ich wäre fast enttäuscht, käme nicht noch ein Hammer in der letzten Stunde oder so.


Das gesamte Jahr war für mich eine Katastrophe, wann immer ich dachte „na, wenigstens kann es jetzt nicht mehr schlimmer werden“, meinte 2016, noch eins draufzulegen, wann immer ich dachte, die Menschheit kann gar nicht mehr tiefer sinken, griff 2016 zur Schaufel – doch, da geht noch was. Das Jahr war durchweg wie Trump, unnötig, unerträglich und immerzu bemüht, mich noch mal so richtig bei der Pussy zu fassen.

Weiterlesen „2016 – Ein Jahresrückblick“