Angststörung und Panikattacken – eine Übersicht, Behandlungsoptionen und Erste Hilfe

Es ist ein schöner Tag, das Wetter ist angenehm, die Vögel zwitschern und die Luft ist von Kinderlachen erfüllt, das vom Spielplatz dringt. Wir wandern durch den Park, ich geniesse die warmen Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht und sehe den Kindern hinterher, die laut juchzend auf den Spielplatz zu laufen und Hallos mit den bereits spielenden Kindern austauschen. 

Ich steuere mit meinem Kaffee in der Hand eine Parkbank gleich am Rande an, die Kinder schon in ihre Phantasiewelt und Piratenabenteuer vertieft, und krame in meiner Tasche nach meinem Buch. Ich finde es und blättere auf der Suche nach der Stelle, an der ich gestern aufgehört habe zu lesen, darin herum. Ich finde sie, blicke noch mal auf die Kinder, die wohl mittlerweile Dinosaurier sind und sich jagen, sie sind in Blickweite, gut. Ich vertiefe mich in mein Buch.

Plötzlich verschwimmen die Buchstaben.
Wie ein Nebel legt sich um mich, die Welt scheint sich viel schneller zu drehen, zu schnell…
Ich kann nicht atmen!
Ich bekomme keine Luft!

ANGST!
Unglaubliche Angst macht sich in mir breit.
Ich bekomme keine Luft, Alles dreht sich, um meine Brust ein Gewicht, als wolle es mich erdrücken.
Wovor habe ich eigentlich Angst?
Ich weiss es nicht…
Aber ich kann nicht atmen…

Ich zittere, das Buch gleitet mir fast durch die schwitzigen Hände.
Ich krampfe sie zusammen.
Halte das Buch fest.
Ich klammere mich daran fest.
Ich bekomme keine Luft…

Ich entkrampfe meine Hände wieder etwas und zwinge mich dazu, zu atmen, Luft zu holen.
Mein Atem geht stossweise.
ANGST!
Alles dreht sich…

Ich bekomme keine Luft! – Doch…
Ich atme, noch immer abgehackt, aber langsam immer kontrollierter.
Ich KANN atmen…!
ANGST!
Ich schliesse die Augen, die Sonne blendet.
Kindergeschrei, Lachen, Vogelzwitschern.
Ich spüre Papier zwischen meinen Fingern.

Atme!
Atme!

Der Nebel lüftet sich langsam, die Kinder sind nun Polizisten und jagen Sandkastenförmchenräuber.
Die Angst verschwindet langsam. Langsamer, als sie gekommen ist.
Ich atme.
Es ist vorbei…

Es war die dritte Panikattacke diese Woche, dabei hatten wir gerade mal Dienstag. Sie kam, wie fast immer, ohne Vorwarnung, wie eine Naturgewalt, nur um dann wieder zu verschwinden.

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Vom Primark Shopoholic zu ethischer(er) Mode

Etwas so Schönes wie Mode sollte nicht eine so schmutzige Vergangenheit haben.
Christina Wille, Loveco

In einem Land vor unserer Zeit, da sassen mal ein Mädchen und seine Mutter vor einem Kleidungskatalog und blätterten diesen Tee schlürfend und Kuchen essend gemeinsam durch. Mit einem altertümlichen Schreibutensil, einem sogenannten Kugelschreiber, malten sie hie und da so etwas wie Runen, immer dann, wenn ihnen ein Kleidungsstück gefiel. Danach blätterten sie den Katalog wieder durch, machten an den Markierungen halt und diskutierten über Vor- und Nachteile des jeweiligen Stücks. Auf einem seltsamen Zettel mit vielzähligen Feldern wurden dann allerlei Zahlen und Buchstaben eingetragen. Das Stück Papier wurde dann zeremoniell in weiteres Papier gepackt, einen sogenannten Umschlag, und dann mit einer Briefmarke – so nannte man das Bezahlmittel für die damalige Fernkommunikation – versehen. Zu guter Letzt wurde dieser Brief, wie man damals Fernkommunikation per Papier bezeichnete, per Post verschickt. Nach einigen Wochen Wartezeit kam dann ein Paket wiederum per Post bei einem zu Hause an, das ausgewählte Kleidungsstücke enthielt.
Ihr müsst wissen, das Mädchen und seine Mutter lebten in einer Zeit, in der es noch kein Onlineshopping gab. Damals gingen die Leute in die Innenstadt und in ein Geschäft, oder aber sie bestellten ihre Kleidung aus einem Katalog. Das ist quasi ein Onlineshop, nur gedruckt und zum Buch gebunden…

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Du hast ja nen ganz schön fetten Arsch bekommen – Mein Weg in die Essstörung

Triggerwarnung – Psychische Erkrankungen, Essstörung 

„Als du hergezogen bist, da warst voll hübsch – aber jetzt hast ja nen ganz schön fetten Arsch bekommen…“

Dieser Satz, ausgesprochen von genau dem Jungen, in den ich mich verknallt hatte, schmerzte mehr als jeder Schnitt mit einer Klinge, den ich mir danach angetan habe, es jemals tun würde. Er schmerzte mehr, als die Hungerkrämpfe, in die mein Magen in den kommenden Monaten und Jahren immer wieder verfallen würde. 

Es war einer der ersten milderen Tage nach einem sehr kalten Winter, ein kleines Grüppchen 13 und 14Jähriger auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause, die Schule war für den Tag herum und auf dem Nachhauseweg wurden Pläne für den Nachmittag geschmiedet. Wir lachten und alberten und diskutierten, ob wir nach dem Mittagessen und den Hausaufgaben an den Weiher oder nicht lieber doch ins alte Lagerhaus wollten. Das Dorf, in dem wir wohnten, war nicht sonderlich gross, ausser einem kleinen Tante Emma Laden, einer Schlecker Filiale und einem Metzger gab es nichts wirklich, Plätze für Teenager schon mal gar nicht. Meine Eltern waren vor ca. einem halben Jahr erst mit mir dort hingezogen und ich hatte dieses „doofe Kaff“, wie ich nicht müde wurde, zu bemerken, anfangs absolut gehasst. Ich vermisste meine alten Freunde und meine alte Stadt und war fest gewillt, meinen neuen Wohnort für immer zu hassen. Nach einigen Monaten hatte ich dennoch etwas Anschluss gefunden, ein paar Gleichaltrige Teenager aus der Nachbarschaft, mit denen ich auch im Bus zur Schule fuhr, nahmen mich auf Ausflüge mit und zeigten mir die Gegend – langsam aber sicher wurde meine Abneigung etwas geringer und ich glaubte sogar, ich könnte neue Freunde finden und in dem kleinen Dorf eventuell doch etwas Spass haben. Einer der Jungs aus der Nachbarschaft war sogar ganz süss, ich hatte mich ein kleines bisschen verknallt und gehofft, dass auch dieser an dem Nachmittag wieder dabei sein würde. Und dann fiel dieser Satz, von genau ihm…

Um mich herum brach man in Gelächter aus, der Guteste hatte einen harmlosen Scherz gemacht, der auch sogleich wieder vergessen war, denn wenige Sekunden später wurden wieder Pläne für den Nachmittag geschmiedet.
„Um 15.00 Uhr am Dorfweiher!“, wurde abgemacht.
Ich trabte den Rest des Weges nach Hause schweigend ein paar Schritte hinter der Gruppe und mit gesenktem Kopf her und beteiligte mich nicht mehr an der Unterhaltung. Ich traf mich diesen Nachmittag nicht mit den Leuten aus der Nachbarschaft, ich ging nicht an den Weiher und würde es auch niemals wieder tun.
An diesem Tag ging ich nach Hause, stellte mich auf die Waage und entschied, dass ich um jeden Preis etwas ändern würde.
Dieser für die Anderen so harmlose Satz, der wohl nach wenigen Sekunden von Allen schon wieder vergessen war, würde mich noch lange verfolgen und letztendlich damals noch ungeahnte, massive Folgen haben. 

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Mama, du bist doof! – bedürfnisorientiert mit Konflikten und Emotionsausbrüchen umgehen

„Mama, du bist doof!!!“ schallt es durchs Haus, noch bevor die Haustür sich komplett geschlossen hat. Gefolgt wird das von wütendem, davonstürmendem Stampfen, ein kleines Jaulen und ein BUMMS, als sich KJ frustriert und emotional auf das Sofa wirft. 

Vor 5 Minuten war die Welt noch in Ordnung, da spielte KJ friedlich mit seinem Freund – bis eben dessen Mutter kam, um ihn abzuholen. Von einer Sekunde auf die andere kippte die Stimmung. „Ich will aber nicht aufhören zu spielen. Ich will nicht, dass mein Freund geht!“ Aus dem glücklichsten und seligsten Kind der Welt wird innerhalb weniger Sekunden ein todtrauriges, wütend davonstürmendes Emotionsmonster, das mich total doof findet. 

Ich schaue durchs Fenster dem davonfahrenden Auto hinterher, auf dessen Rückbank ein ebenso trauriges Kind sitzt und auf dem Fahrersitz eine Mama, die mit dem gleichen Gefühlsausbruch ihres Kindes konfrontiert ist… Es passt ganz schön viel Emotion in so wenig Mensch. Und dann erinnere ich mich an die Spieltage und Nachmittage mit meinen Freunden und wie ich mich gefühlt habe, wenn es Zeit wurde, nach Hause zu gehen. Auch ich habe als Kind deswegen mal geweint und war am Bode zerstört. So ein toller Tag und so viel Spiel und Spass und dann muss das plötzlich aufhören? Das ist aber auch nicht fair… 

Meine Gedankengänge werden von einem jaulenden Schluchzen aus Richtung der Couch unterbrochen. Dann ein lauter Knall – ein Spielzeugauto wurde in der Wut des Kindes zum Wurfgeschoss und landete eindrucksvoll lärmend auf dem Wohnzimmerboden. 

„Schatz, was ist denn?“, nähere ich mich vorsichtig an das heulende Bündel Kind an. 

„Geh weg! Du bist doof!“, kommt mir entgegen, KJ verkreutzt die Arme vor der Brust und dreht sich weg, immer noch schluchzend. 

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Life Update #4

Eigentlich wollte ich erst schreiben, dass die vergangene Woche eher friedlich an uns vorbei plätscherte, denn das tat sie hier auch. Hier in Colorado, weit weg vom schrecklichen Terroranschlag in Las Vegas, der fast 60 Menschen das Leben kostete und ca. 600 verwundete. Es war gerade mitten in der Nacht vom Sonntag, wir schauten noch fern und eine Serie war gerade zu Ende gegangen, als der Breaking News Alert über den Bildschirm flackerte und alle Berichterstattung sich nach Las Vegas wandte, als die ersten Augenzeugenberichte und Smartphone Videos des schrecklichen Geschehens eintrudelten… 

Ich bat den Mann, erstmal umzuschalten bitte. Wenn auch ich mir die grausamsten Horrorfilme anschaue, je mehr Blut und Gore, desto besser – mit realen Grausamkeiten habe ich so meine Probleme… 

Und wieder einmal stehe ich vor dem Rätsel, warum diese angeblich so fortschrittliche Nation so verzweifelt an einem veralteten Recht festkrallt, wie Kate es mal bei Leo an der Tür im eisigen Meer hätte tun sollen…

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