Vom Primark Shopoholic zu ethischer(er) Mode

Etwas so Schönes wie Mode sollte nicht eine so schmutzige Vergangenheit haben.
Christina Wille, Loveco

In einem Land vor unserer Zeit, da sassen mal ein Mädchen und seine Mutter vor einem Kleidungskatalog und blätterten diesen Tee schlürfend und Kuchen essend gemeinsam durch. Mit einem altertümlichen Schreibutensil, einem sogenannten Kugelschreiber, malten sie hie und da so etwas wie Runen, immer dann, wenn ihnen ein Kleidungsstück gefiel. Danach blätterten sie den Katalog wieder durch, machten an den Markierungen halt und diskutierten über Vor- und Nachteile des jeweiligen Stücks. Auf einem seltsamen Zettel mit vielzähligen Feldern wurden dann allerlei Zahlen und Buchstaben eingetragen. Das Stück Papier wurde dann zeremoniell in weiteres Papier gepackt, einen sogenannten Umschlag, und dann mit einer Briefmarke – so nannte man das Bezahlmittel für die damalige Fernkommunikation – versehen. Zu guter Letzt wurde dieser Brief, wie man damals Fernkommunikation per Papier bezeichnete, per Post verschickt. Nach einigen Wochen Wartezeit kam dann ein Paket wiederum per Post bei einem zu Hause an, das ausgewählte Kleidungsstücke enthielt.
Ihr müsst wissen, das Mädchen und seine Mutter lebten in einer Zeit, in der es noch kein Onlineshopping gab. Damals gingen die Leute in die Innenstadt und in ein Geschäft, oder aber sie bestellten ihre Kleidung aus einem Katalog. Das ist quasi ein Onlineshop, nur gedruckt und zum Buch gebunden…

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Du hast ja nen ganz schön fetten Arsch bekommen – Mein Weg in die Essstörung

Triggerwarnung – Psychische Erkrankungen, Essstörung 

„Als du hergezogen bist, da warst voll hübsch – aber jetzt hast ja nen ganz schön fetten Arsch bekommen…“

Dieser Satz, ausgesprochen von genau dem Jungen, in den ich mich verknallt hatte, schmerzte mehr als jeder Schnitt mit einer Klinge, den ich mir danach angetan habe, es jemals tun würde. Er schmerzte mehr, als die Hungerkrämpfe, in die mein Magen in den kommenden Monaten und Jahren immer wieder verfallen würde. 

Es war einer der ersten milderen Tage nach einem sehr kalten Winter, ein kleines Grüppchen 13 und 14Jähriger auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause, die Schule war für den Tag herum und auf dem Nachhauseweg wurden Pläne für den Nachmittag geschmiedet. Wir lachten und alberten und diskutierten, ob wir nach dem Mittagessen und den Hausaufgaben an den Weiher oder nicht lieber doch ins alte Lagerhaus wollten. Das Dorf, in dem wir wohnten, war nicht sonderlich gross, ausser einem kleinen Tante Emma Laden, einer Schlecker Filiale und einem Metzger gab es nichts wirklich, Plätze für Teenager schon mal gar nicht. Meine Eltern waren vor ca. einem halben Jahr erst mit mir dort hingezogen und ich hatte dieses „doofe Kaff“, wie ich nicht müde wurde, zu bemerken, anfangs absolut gehasst. Ich vermisste meine alten Freunde und meine alte Stadt und war fest gewillt, meinen neuen Wohnort für immer zu hassen. Nach einigen Monaten hatte ich dennoch etwas Anschluss gefunden, ein paar Gleichaltrige Teenager aus der Nachbarschaft, mit denen ich auch im Bus zur Schule fuhr, nahmen mich auf Ausflüge mit und zeigten mir die Gegend – langsam aber sicher wurde meine Abneigung etwas geringer und ich glaubte sogar, ich könnte neue Freunde finden und in dem kleinen Dorf eventuell doch etwas Spass haben. Einer der Jungs aus der Nachbarschaft war sogar ganz süss, ich hatte mich ein kleines bisschen verknallt und gehofft, dass auch dieser an dem Nachmittag wieder dabei sein würde. Und dann fiel dieser Satz, von genau ihm…

Um mich herum brach man in Gelächter aus, der Guteste hatte einen harmlosen Scherz gemacht, der auch sogleich wieder vergessen war, denn wenige Sekunden später wurden wieder Pläne für den Nachmittag geschmiedet.
„Um 15.00 Uhr am Dorfweiher!“, wurde abgemacht.
Ich trabte den Rest des Weges nach Hause schweigend ein paar Schritte hinter der Gruppe und mit gesenktem Kopf her und beteiligte mich nicht mehr an der Unterhaltung. Ich traf mich diesen Nachmittag nicht mit den Leuten aus der Nachbarschaft, ich ging nicht an den Weiher und würde es auch niemals wieder tun.
An diesem Tag ging ich nach Hause, stellte mich auf die Waage und entschied, dass ich um jeden Preis etwas ändern würde.
Dieser für die Anderen so harmlose Satz, der wohl nach wenigen Sekunden von Allen schon wieder vergessen war, würde mich noch lange verfolgen und letztendlich damals noch ungeahnte, massive Folgen haben. 

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