Interview Reihe Leben mit Psychischen Störungen – Betroffene und Angehörige berichten #5

„Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn es anders wird. Wenn es aber besser werden soll, muss es anders werden.“
Georg Christoph Lichtenberg

Heute berichtet S. L. , 35 Jahre alt und Mutter, von ihrem Leben mit Angsttörungen und Panikattacken.
Eine bewundernswert stark wirkende Frau, die in diversen Social Media Gruppen immer gerne und schnell mit intelligenten und hilfreichen Kommentaren da ist, eine Frau, die unerschütterlich nach aussen wirkt und als hätte sie immer komplett alles im Griff. Jemand, den man gängig als Powerfrau bezeichnen würde. Aber auch Superwoman hat ihr Kryptonit. Wir sind alle nur menschlich…

Sie bekam die Diagnose 2009, nach einer Tumordiagnose. Sie berichtet, dass sie auch seit diesem Zeitpunkt gegen ihre Erkrankung kämpft: „Ich bin seit 2009 in Therapie. Aktuell wieder mit Tabletten. Je nach Stresspegel geht es mir mal besser, mal schlechter. Vor allem abends ist die Angst da. Wenn ich in Entspannung komme, geht die Panik los…“

Welche Einschränkungen oder Probleme hast du im Alltag, was fällt dir schwer, was macht dir Angst:

„Entspannen fällt mir sehr schwer. Angst macht mir, wenn ich alleine mit meinem Kind bin, weil ich Angst habe, dass mir dann etwas passiert.“

Eine Angst, die nicht wenig betroffene Mütter teilen, eine der grössten Ängste sogar, die die meisten meiner befragten Eltern hegen. Die Angst, dass die eigene Krankheit eventuell den Leuten indirekt oder direkt schaden könnte, die man am meisten liebt, ist wahnsinnig gross. Und gerade bei Angststörungen natürlich wenig hilfreich, manchmal entwickeln sich diese Ängste und Sorgen sogar zu einer eigenen Störung.
Was ist, wenn mir was passiert und deswegen den Kindern was passiert?

Eine immer im Hinterkopf bleibende, nagende, unterschwellige Angst, die nie ganz weggeht.

Desweiteren berichtete sie über ihr Umfeld und den Umgang mit ihrer Erkrankung folgendes: „ich fühle mich alleine unwohl, habe aber auch Scham, vor meinem Umfeld zu zeigen, wenn die Angst kommt.“
Scham, Angst vor der Reaktion des Umfelds, die Berichte der Betroffenen sind sich oft extrem ähnlich, die grundlegenden Ängste die gleichen.

Im Bezug auf die Gesellschaft und den Umgang mit psychischen Erkrankungen, wünscht S. L. sich, wie so viele andere Betroffene auch,

„mehr Bereitschaft, sich zu informieren“.


Wenn auch DU gerne Deine Geschichte erzählen würdest, ob anonym oder offen, melde Dich gerne via Kommentar oder aber Email (lostbehindthemirror@gmail.com)bei mir. Mit allen Daten wird natürlich streng vertraulich umgegangen.

4 Gedanken zu &8222;Interview Reihe Leben mit Psychischen Störungen – Betroffene und Angehörige berichten #5&8220;

    1. Ich freue mich, dass die Interview Reihe ankommt und ja, es ist ganz grandios, wie offen die Leute berichten und wie viele Betroffene es gibt… Ich hoffe, die Reihe kann etwas Mut machen, Kraft geben, zeigen, dass man nicht alleine ist.

  1. Liebe Alicja,
    Ich finde deine Blogserie wirklich herausragend! Psychische Krankheiten werden in der Gesellschaft so oft einfach nur als persönliche Unzulänglichkeiten angesehen und die jeweilige betroffene Person als „nicht stark genug“ oder „Weichei“ betitelt. Das ist schlicht und ergreifend falsch. Psychische Krankheiten sind wie der Name schon sagt Krankheiten und keine kleinen Wehwehchen! Auch die Verharmlosung durch Social Media, die nicht wissen, was eine Depression tatsächlich ist oder die ihr eigenes Verhalten einfach nicht reflektieren, ist erschreckend. Mir (studierte Psychologin/ nicht Therapeutin) stellen sich da die Nackenhaare auf!
    Deswegen finde ich es so wichtig, die Sichtweise von Betroffenen im angemessenen Rahmen zu schildern. Du tust das hier mit einer unaufgeregten Selbstverständlichkeit, die ich für einen Blog sehr erfrischend und respektvoll empfinde. Mach bitte weiter so. Auch wenn es nur ein kleiner Beitrag sein mag in dem großen, weiten Internet – für dich und die Leser (inklusive mir) ist es etwas ganz besonderes. Meinen Respekt und meine Bewunderung hast du.
    Vielen Dank dafür!

    1. Ich danke sehr für diesen Kommentar, wenn ich nur eine Person informieren kann oder irgendwie Mut machen kann, dann bin ich schon dankbar. Noch schöner von einem Experten zu hören, dass die Arbeit, die man tut, einen Sinn macht und für Andere wertvoll ist, für einen Blogger ist das wohl das grösste Lob, das man bekommen kann.

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