Interview Reihe Leben mit Psychischen Störungen – Betroffene und Angehörige berichten #4

„Ich wünsche mir, dass offen darüber (psychische Kranhkeiten) gesprochen wird und die betroffenen Menschen unterstützt werden, die Mauer zu erklimmen, denn alleine stehen wir es nicht durch! Macht euch darüber nicht lustig (…), denn dadurch fühlen wir uns noch wertloser. Hört zu, redet mit ihnen und seid für sie da, denn sie brauchen euch, besonders die Familie!
Lasst sie nicht fallen, sondern gebt ihnen die Hand, um aufzustehen und nicht aufzugeben. Denn jeder Mensch ist etwas Besonderes.“

Innerhalb eines Jahres erkrankt in Deutschland jeder dritte Erwachsene an einer psychischen Krankheit, so die Bundespsychotherapeutenkammer auf ihrer Homepage. Psychische Krankheiten, wie Borderline, Depressionen und vieles mehr sind keine Seltenheit, im Gegenteil, schon fast ein „normaler“, zu erwartender Teil des Lebens. Leider auch immer noch massiv tabuisiert, etwas, worüber man nicht redet.
Jeden zweiten Samstag wird hier ein kleines Interview mit Betroffenen oder Angehörigen veröffentlicht werden, eine kleine Plattform, um seine Geschichte und Erfahrungen anonymisiert (wenn gewünscht) zu teilen, Mut zu machen, sich auszutauschen. Denn genau das ist der Wunsch nur zu vieler Betroffener.


Heute erzählt Vanessa G. (Name von der Redaktion geändert), 20 ihre Geschichte.

„Ich bin 20 Jahre alt. In mir herrscht seit Jahren ein Krieg, den ich alleine nicht meistern kann. Eine Leere, die mich zu oft verfolgt und dadurch werde ich zu einer wandelnden leeren Hülle.
Es ist schwer die Maske aufrecht zu erhalten, denn irgendwann wird es wieder soweit sein, dass ich an einem Punkt gelange, an dem ich mich selbst verlieren werde. Ich verlor mich schon vor Jahren, ich steckte täglich meine Finger in dem Hals, denn es fühlte sich befreiend an.
Irgendwann kamen noch Drogen ins Spiel, denn ich wollte einfach all die Sorgen vergessen und für einen kurzen Moment glücklich sein. Ich befand mich in dem Zeitraum in einer Beziehung, die mich fertig machte. Ich wurde immer missverstanden, eines offenes Ohr gab es nie. Es wurde so schlimm, dass ich irgendwann nicht mehr schlafen konnte und jeden Tag in großer Menge Cannabis konsumierte.
Ich ließ mich einweisen, weil ich nicht mehr konnte. Eine Hilfe war es allerdings nicht wirklich. Ich hatte meine Ruhe, das war das einzig Gute.

Letztes Jahr lernte ich einen Mann kennen, der mich nur einmal ansah und direkt wusste, dass etwas in mir ist. Jetzt sind wir schon 9 Monate zusammen und es geht mir ein bisschen besser. Dennoch existiert der Krieg aber das Schöne ist, dass ich jemanden habe, der mir jeden Tag zuhört, mich in den Arm nimmt, wenn ich es am Meisten brauche.
Dennoch bin ich immer wieder zutiefst unglücklich. Ich kann nicht einmal sagen was gut an mir ist, kann alleine nicht weit verreisen, weil mich sonst die Panik überkommt. Nachts habe ich häufig Probleme, denn seit über einem Jahr leide ich regelmäßig unter Schlafparalysen, Hunger existiert schon lange nicht mehr und wenn ich esse, nur dann, wenn mein Partner anwesend ist. Ich verliere häufig die Kontrolle über mich selbst, sodass ich ein ganz anderer Mensch bin. Ich werde aggressiv, mal bin ich plötzlich wieder offen und zuvorkommend oder abweisend und frage mich „was mache ich hier auf dieser verdammten Welt?“.
Letztes Jahr war es die Hölle auf Erden. Ich habe jeden Tag bis spät nachmittags verschlafen, hatte jeden Tag Kopfschmerzen (Somatisieringsstörung) und es fällt mir schwer, mich anzupassen und alleine weit zu verreisen. Es kam der Zeitpunkt an dem ich endlich den Mut dazu hatte mir professionelle Hilfe anzunehmen. Diese Woche wurde dann die mittelgradige Depression und die Agoraphobie diagnostiziert. Ich hoffe eines Tages damit klar zu kommen und mich kontrollieren kann. „

Sie beendete das Interview mit obigem Plädoyer für Verständnis und Hilfe, statt Spott und Ablehnung. Ein unterstützendes Umfeld kann den entscheidenden Unterschied im Leben einer betroffenen Person machen.

Wenn auch DU gerne Deine Geschichte erzählen würdest, ob anonym oder offen, melde Dich gerne via Kommentar oder aber Email (lostbehindthemirror@gmail.com)bei mir. Mit allen Daten wird natürlich streng vertraulich umgegangen.

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