DU BIST NORMALER, ALS DU DENKST… EINE INTERVIEW REIHE – LEBEN MIT PSYCHISCHEN STÖRUNGEN, BETROFFENE UND ANGEHÖRIGE BERICHTEN – Mein Mann berichtet

Letztens habe ich meine Geschichte veröffentlicht und offen über mein Leben mit psychischen Störungen geschrieben. Das war der Auftakt zu einer Interview Reihe mit Betroffenen und Angehörigen, jeden Freitag kommt eine neue Geschichte und Lebenserfahrung hier auf LostBehindTheMirror online.
Heute wird es noch einmal persönlich, bevor es dann mit EUREN Geschichten weitergeht, mein Mann berichtet – als Angehöriger über das Leben mit MIR.

Wir sind seit bald 8,5 Jahren zusammen, seit über 6 Jahren verheiratet, wir waren nach einer Woche verlobt, 2 gemeinsame Kinder, haben meinen Suizidversuch und seine Verletzung im Einsatz im Afghanistan gemeinsam durchgestanden, ich bin von England nach Deutschland gezogen und dann in die USA, wir haben also so Einiges gemeinsam durch.
Hättest Du Interesse daran, dass ich mal unsere „Lovestory“ aufschreibe? Wie wir uns kennengelernt haben, wie das eigentlich kam, das wir nach einer Woche verlobt waren und wie das war, als er im Einsatz war, als er verletzt wurde etc.?

Aber heute ist etwas anderes Thema hier, nämlich wie denn das Leben so ist, mit Jemandem, der wegen Chicken Nuggets anfangen kann zu heulen, wie ein kleines Kind, mit Jemandem, dessen Stimmung jede Sekunde komplett ins Gegenteil kippen kann.
Wie ist das Leben mit Jemandem, dem man vor Jahren wortwörtlich das Leben gerettet hat, indem man einen Suizid durchkreutzt hat?
Wie ist das Leben mit Jemandem, der im Supermarkt anfängt zu weinen, weil eine Panikattacke eingetreten ist?

„Du-huuuu?“, flöte ich meinen Mann an, es läuft gerade eine Serie, die Kinder schlafen schon.
„Ja?“, kommt von ihm zurück, er guckt fragend von seinem Spiel am Handy auf, „Was ist denn?“
„Ich bräuchte da mal Hilfe, ist für den Blog… “ Mein Mann hilft mir schon seit einer Weile immer wieder mal, hört mir zu, schaut sich Designneuerungen an, hilft beim Bilderaussuchen und macht unter anderem die Outfit Bilder für mich.
„Klar, immer doch, weisst du doch. Willst du wieder mal ´n Outfit schiessen, hast du schon so lange nicht mehr?“ Sein Blick ist wieder zu seinem Spiel geglitten.
„Nein, das nicht, obwohl, ich könnte ja mal wieder, aber nein, darum gehts nicht…. Ich hab doch grad dieses andere Ding…“
Sein Blick hebt sich wieder von seinem Spiel, er drückt den Pause Button, legt den Kopf schief: „Ah, das Ding mit den Interviews und Depressionen und so?“ Ich hatte ihm von der Idee und den Grundlagen des Projekts erzählt, natürlich teile ich keine persönlichen Infos oder so, aber er weiss, dass es um psychische Störungen geht und weiss auch, dass ich meine Geschichte letztens erst niedergeschrieben habe.
„Ja“, antworte ich, „ich wollte mal fragen, ob es ok wäre, wenn ich DEINE Sichtweise erzähle, ich habe auch einige Angehörige, die berichten wollen, das wäre doch nett, wenn wir beide…“ Ich breche ab, mein Mann ist eine sehr ruhige Person, die eher im Hintergrund bleibt, so gerne er mir auch hilft, er bleibt lieber hinter den Kulissen.
„Klar, warum nicht? Wenn´s irgendwie hilft, warum nicht? Was genau willst du wissen?“ Sein Kopf immer noch leicht schiefgelegt, sein Blick leicht besorgt, er merkt meine Nervosität. Auch nach Jahren doch sehr offener Kommunikation was meine Erkrankung angeht, fällt es manchmal doch schwer. Gerade das hier. Immerhin werden hier genau die Probleme, die ich ihm bereite, thematisiert.
Will ich wirklich hören, wie schwer ich ihm das Leben mache, wie anstrengend und unberechenbar ich bin? Die dunkle, fiese Stimme meiner Krankheit macht sich kurz wie ein schwarzer Nebel in meinem Hirn breit und will Gedanken erwecken über meine eigene Wertlosigkeit und mein Versagen. „Warum bist du so anstrengend? Du bist wie ein weiteres Kind! Du bist ne totale Belastung! Eine totale Versagerin! Wahrscheinlich wird er das bei Beantwortung der Fragen auch feststellen. Wahrscheinlich ist er nur aus Mitleid mit Dir zusammen. Du bist doch nix wert. Auf jeden Fall nicht liebenswert…“
„Hey, Alles ok?“, er schaut mich besorgt an, „Was ist los? Du schaust so traurig.“
Ich erkläre ihm, was in meinem Kopf losgeht. „Ach was! Ich liebe dich, sonst wäre ich doch nicht da! Sei nicht albern, ich liebe dich!“ Er nimmt mich fest in den Arm, drückt mich und gibt mir einen Kuss. „Ich liebe dich“, flüstert er, „für immer!“
Wir haben fast die gesamte Nacht geredet. Es war interessant, heilsam, verbindend. Heute teile ich dieses Gespräch mit euch.


Mein Mann ist 40 Jahre alt, bis 2013 war er Soldat der US Army, bis er im Einsatz schwer verletzt wurde und das Medical Retirement kam. Aktuell arbeitet er als Leiter in einem Lager. Wir haben 2 gemeinsame Kinder. Betroffene ist seine Frau, also ich.

Wie informiert bist du über die Erkrankung?
Eigentlich ganz gut, zumindest oberflächlich, du erklärst immer alles gut und detailliert. Dann waren wir doch noch gemeinsam bei deinem damaligen Therapeuthen, der mir alles erklärt hat. Nur, da muss ich ganz ehrlich sein, verstehen tu ich es halt einfach nicht. Ich kann nicht nachvollziehen, dass das Verschwinden einer Brotdose dich so fertig machen kann, dass du anfängst zu weinen, wenn du sie nicht finden kannst und quasi dein ganzes Leben in Frage stellst.
Ich springe ein und erkläre noch mal, das ganze Interview versuche ich so nah wie möglich wiederzugeben.
Für mich ist das schlimm, ich hab sofort Schuldgefühle, dass ich nicht früher dran gedacht habe. Dann kommen die Gedanken, dass ich nicht mal ne verdammte Brotdose im Griff habe, von meinem ganzen anderen Scheiss mal abgesehen. Und dann fühle ich mich wie der totale Versager, weil mich so ne verdammte Brotdose aus der Bahn wirft… Ich weiss auch nicht, das ist nicht nur ne Brotdose, in dem Moment ist das nur ein Zeichen meiner Unfähigkeit, Wertlosigkeit und meines Versagens.
Er schaut mich an.
Das klingt ganz schlimm, aber so ist es doch nicht, es ist nur eine Brotdose…
Ich merke, wie er hilfloser wird, wie so oft. Er versucht, mich in solchen Situationen zu unterstützen, ist aber oft einfach hilf- und ratlos.
Du weisst nicht, wie du damit umgehen sollst, oder?
Ich fühle mich dann einfach hilflos, weiss nicht, wie ich reagieren soll. Das Ding ist, du reagierst auch immer Anders, du bist einfach so unglaublich unvorhersehbar. Egal was ich tue, es könnte zu grosser Wahrscheinlichkeit falsch sein. Wenn ich dich trösten will, wirst du wütend, wenn ich dich alleine lasse, weinst du noch mehr, wenn ich dich frage, was ist – nix. Oder geh weg, wenn ich weggehe, wirst du wieder wütend. Ich weiss nicht, was richtig ist, oder falsch, weil es sich andauernd ändert. Und es ändert sich eh, egal ob und was ich tu. Ich will dir doch nur helfen. Aber ich weiss nicht wie.
Der Fakt, dass du es versuchst, trotz alledem, ist schon Hilfe genug.
So fühlt es sich aber nicht an, ich fühle mich, als würde ich versagen, als Ehemann und Partner, der dir helfen sollte. Aber ich tu es nicht, ich mach es immer nur falsch. Ich weiss nicht, was ich noch tun soll…

In dem Moment wird mir mulmig, das ist kein neues Gespräch, er hat mir schon gesagt, dass er so empfindet. Ihn aber gerade so selbst traurig und voller Selbstzweifel zu sehen, tut noch mal extra weh. Ich fühle mich schuldig. Das ist Alles nur wegen mir und weil ich „so“ bin…
Ich arbeite stetig an mir, ich versuche, mich zu bessern, meine Emotionen besser im Griff zu haben, aber egal was ich tue und egal, wie sehr ich mich anstrenge, ich kann niemals etwas daran ändern, wie ich fühle. Ich kann daran arbeiten, wie ich mit diesen Gefühlen umgehe und ich kann daran arbeiten, rational an Dinge heranzugehen, wenn ich merke, dass meine Gefühle mich überwältigen, aber meine Emotionen und Empfindungen, die ändern sich nicht. So bin ich. Das bin ich. Es ist nicht, was mich definiert oder meine Handlungen entscheidet, aber beeinflusst.
Jeden Tag kämpfe ich gegen diesen seltsamen Teil meiner selbst an, weil ich weiss, wie negativ er sich auswirken kann, ich bin im ständigen Kampf mit mir selbst.
Aber sagen will ich das nicht, es klingt doch so arg pathetisch, voller Selbstmitleid, triefend von „ich kann doch nichts dafür“ und „ich habs doch so schwer“. Eigentlich sollte ich doch glücklich sein und Nichts zu klagen haben: meine Kinder sind gesund, ich habe einen wundervollen Partner an meiner Seite, ich lebe ein doch nicht unangenehmes Leben, lebe in einem Land, das nicht von Krieg geplagt ist, leide keinen Hunger… Ich bin doch ein arg undankbares Stück. Warum kann ich mich eigentlich nicht einfach zusammenreissen. Das ist es doch, was es ist, oder? Ich müsste mich einfach nur zusammenreissen, dann wäre Alles anders….

Hey, so habe ich es nicht gemeint, manchmal lande ich doch auch nen Volltreffer.
Er schubst mich etwas, nimmt mich dann in den Arm und drückt mir einen sanften Kuss auf die Stirn. Er drückt mich noch was fester. Was würde ich nur ohne ihn machen? Er hilft so viel, hat so viel Verständnis. Und ich bin… So…
Ich liebe dich, natürlich ist es nicht immer leicht, aber wann ist es das schon? Es ist einfacher, wenn du aber einfach sagst, was los ist, auch wenn es sich doof anhört. Wenn ich weiss, was wirklich los ist, kann ich vielleicht eher helfen.
Ja, aber oft sind es total doofe Kleinigkeiten und ich weiss, dass es doof ist, darüber so aufgeregt oder traurig zu sein.
Aber wenn es dich so aufwühlt, ist es doch keine Kleinigkeit.
Aber rational betrachtet schon…
Wenn es so einfach wäre, dann wärest du nicht krank…
Ich war damals auch traurig und es war nicht so, dass ich einfach wieder fröhlich sein konnte. Ich hatte als Kind mit Depressionen zu kämpfen, das war auch nicht einfach, ich verstehe schon ein bisschen, wie du dich manchmal fühlst. Mach dir doch nicht noch ein schlechtes Gewissen…. Wenn es so einfach wäre…
Wir beide seufzen kurz auf, dann Stille. Wir schauen beide kurz ins Leere. Nach einer Weile bricht er das Schweigen.
Brauchst du noch was für deinen Blog?
Ja, da war noch ne Frage.

Wie zeigt sich die Erkrankung für dich und wie betrifft sie dich? Wie wirkt sie sich auf die Beziehung zur erkrankten Person aus?
Hmmm, du bist halt sehr unberechenbar. Und das macht den Alltag anstrengend. Manchmal wachst du mit ner Laune auf, da denkt man, du ermordest gleich jemanden, das kann sich aber in Sekundenschnelle ändern. Manchmal bist du todtraurig, wegen Kleinigkeiten. Und manchmal hast du super-duper Laune und dann ist irgendwas – oder manchmal gar nichts – und dann bist du so todtraurig oder wütend, das wechselt so schnell. Manchmal habe ich das Gefühl, wie auf Eierschalen laufen zu müssen, um dich ja nicht zum Explodieren zu bringen…

So schlimm… ?
Ich unterbreche ihn, die Frage brennt zu sehr. Schön ist das nicht zu hören, wie schwer man manchmal einem geliebten Menschen das Leben macht.

Ich bin es gewohnt.
Er zuckt mit den Schultern. Sieht meine Unsicherheit und fährt dann fort.
Siehst du, all das ist nicht nur schlecht und negativ. Du liebst extrem und absolut bedingungslos. Du bist extrem sensibel und empathisch und merkst auch immer, wenn es mir nicht gut geht oder wenn die Kinder was haben. Du hast explosives Temperament, du kannst dich unglaublich begeistern, du bist so leidenschaftlich und intensiv, die kleinsten Dinge können dir die grösste Freude bereiten. Deine Gefühle sind immer offen und ehrlich und echt. Unsere Beziehung ist so tief und intensiv…
Er unterbricht sich selbst.
Normalerweise bin ich nicht so schnulzig, aber ich liebe dich. Was ist schon normal? Welche Beziehung hat keine Probleme? Andere streiten sich ums Geld, um Erziehung, um Konsumverhalten, weil sie einander nicht 100%ig und komplett und bedingungslos vertrauen, wegen Eifersucht und und und.
Wir streiten nicht wirklich, du wirst einfach manchmal so wie du halt manchmal wirst, dann musst du Alles rauslassen, ich hör mir Alles an und dann fühlst du dich besser.
Das klingt so schrecklich, bin ich so schlimm?
Es ist ja kein Streit, du musst nur Frust ablassen, das kannst du halt nicht so gut, also hör ich halt zu und das hilft. Passt doch. Wie gesagt, gibt Schlimmeres. Wir haben sonst keinen Streit, du machst dir nur immer viel zu viele Sorgen und Gedanken. Aber wenn du das Alles rauslässt und mir sagst, kann ich dir viel konkreter sagen, warum du dir keine Sorgen zu machen brauchst. Das ist kein Streit, das ist emotionales Diskutieren. Du denkst immer viel zu viel. Du machst dir zu schnell und zu viele Sorgen.
Ich kann nicht anders, aber sei doch mal froh, stell dir mal vor, ich würde mir keine Sorgen machen und mir wäre Alles egal.
Ja, aber wenn ich dir doch versichere, dass Alles ok ist und deine Sorgen unbegründet und du dann immer noch weiter weinst oder nicht schlafen kannst und dir Sorgen machst, dann gibt mir das das Gefühl, dass du mir nicht glaubst und vertraust. Wenn ich dir das sage, dann ist das so, ich würde dich doch nicht anlügen, wenn was wäre, würde ich ehrlich sein, das weisst du doch…


Betroffenes Schweigen.

Mir ist durchaus bewusst, dass meine Erkrankungen (oder wie auch immer man es nennen will) auch meine Beziehung zu anderen Menschen und natürlich auch einem der mir nächsten Menschen beeinflusst und das ganz sicherlich nicht immer positiv. Ich bin mehr als froh, dass wir in der Lage sind, dieses Thema und eventuelle Problematiken ganz offen zu kommunizieren, es hilft, Missverständnisse zu vermeiden, so wie gerade hier. Ich kann nicht abstellen wie ich denke, meine Emotionen nicht kontrollieren, nur meine Reaktionen darauf und meinen Umgang damit. Ich kann mein Hirn nicht abstellen, kann nicht verhindern, dass meine Gedanken rasen und zig und hunderte, manchmal tausende absurde Eventualitäten heraufbeschwören.

Ich sage ihm genau das.
Dieses ist kein neues Gespräch, schon öfter hatten wir ähnliche, wir haben gemerkt, dass offener Umgang uns beiden hilft. Wir lieben uns, egal was ist und sind gewillt daran zu arbeiten, dass wir harmonisch und gut miteinander leben und einander unterstützen können.
Mein Kopf ist gesenkt, einfach sind diese Gespräche nicht.
Er nimmt mich in den Arm, das fühlt sich immer sicher und geborgen an, einen ganz kurzen Moment ist in der Tat Alles ok. Dieser Moment verfliegt immer, aber er ist dennoch wunderschön, ich habe gelernt, ihn zu geniessen, solange er andauert. Ich breche das Schweigen.
Ich liebe dich.
Ich liebe dich auch.
Irgendwie gibt es nichts mehr zu sagen…


Das war einmal ein Einblick in die Sichtweise meines Mannes, der mit mir als Betroffener zu den Angehörigen zählt, die auf ihre ganz eigene Weise mit der Krankheit umgehen zu lernen müssen.
Jeden 2. Samstag, immer abwechselnd zum Blogger ABC, wird es einen neuen Artikel zu dem Thema Leben mit Psychischen Störungen – Eine Interview Reihe mit Betroffenen und Angehörigen geben, in dem ich anderen Betroffenen und Angehörigen die Möglichkeit gebe, anonym ihre Geschichte zu erzählen.
Denn irgendwo sind wir doch Alle ein bisschen Bluna.

4 Gedanken zu &8222;DU BIST NORMALER, ALS DU DENKST… EINE INTERVIEW REIHE – LEBEN MIT PSYCHISCHEN STÖRUNGEN, BETROFFENE UND ANGEHÖRIGE BERICHTEN – Mein Mann berichtet&8220;

  1. Du bist eine tolle Frau, du hast einen tollen Mann und ihr seid ein bewunderswertes Paar, bzw eine Familie. Ich war selbst lange mit einem Amerikaner aus der Armee zusammen, der auch einsatzbedingt ein posttraumatisches Stresssymptom hatte, eine „unsichtbare Verletzung“ sozusagen. Wir haben es leider nicht gemeinsam bewältigen können, es war zu schwierig. Ich bewundere immer Beziehungen, die eine solche tolle Basis uneingeschränkter Zuneigung haben, ich fürchte, ich habe da kein Händchen für, auch meine letzte Beziehung ist ja erst vor kurzem leider gescheitert (ob ich immer den falschen Mann wähle oder doch selbst zu schwierig bin, sei dahingestellt). Aber ich freue mich immer, wenn ich Paare wie euch sehe. Ich denke auch, dass ihr euch beiden gleich viel gebt, mir scheint da wirklich ein tolles Gleichgewicht vorhanden zu sein, zumindest, soweit ich da so aus der Ferne beurteilen kann. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof, aber ich glaube, ihr bekommt das gut hin, damit umzugehen. Und ihr seid auch optisch ein süßes Paar! Ich wünsche euch alles Glück der Welt!
    Viele liebe Grüße
    Chris

    1. Lieben Dank für deine netten Worte.
      PTSD ist ein Arschloch, ich hab Leute, die ich mag und ganze Familien und Beziehungen daran kaputt gehen sehen. Leute, die aggressiv wurden oder in Suchten hineinrutschten, Spielesucht, Alkohol, Medikamente, Schlafmittel, etc. Geht leider schneller, als man denkt. Zumal die Army nicht wirklich hilfreich ist, PTSD wird viel zu selten anerkannt und behandelt (bedeutet nämlich unter anderen höhere Rentenzahlungen, PTSD qualifiziert als Behinderungselement und würde die Benefits, die der Soldat nach Austreten beziehen kann, erhöhen). Meinem Mann wurde das PTSD nach seiner Verletzung nicht mit anerkannt, das muss er seperat machen, hätten sie es anerkannt, würde er locker 3 Mal so viel Geld bekommen zur Rente, wie jetzt plus alle Army Benefits auf Lebenszeit. Da sind wir gerade dran. Nur mit starken Medikamenten und Schlafmitteln, da waren sie freigiebig. Das macht sowas halt leider aber nicht besser, sondern verschlimmert es meist noch. Die Zeit, als mein Mann alle diese Medikamente nahm, war unglaublich belastend und schwer. Er war ein komplett anderer Mensch…
      Wir hatten wohl auch schlicht sehr viel Glück, dass er von den Medis wegkam, aber ich auch damit, dass er in der Tat einfach sehr offen und verständnisvoll ist.
      Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich nicht glaube, dass ich NOCH MAL in meinem Leben so viel Arbeit, Energie und auch offene Emotionen investieren will oder kann.
      Andererseits gucke ich mir da meine Eltern an, meine Mama fand ihr Glück erst nach 30, nach einer schlimmen Ehe einen wunderbaren, verständnisvollen Mann, den ich jetzt meinen Papa nennen darf.
      Danke für deine Lieben Worte, auch wenn es vielleicht doof klingt, aber es ist so, lieber alleine als in einer unglücklichen Beziehung und dadurch noch belastet werden.

  2. Neben all dem würde mich interessieren, was du beruflich machst und wo du dich in 10 Jahren siehst.

    Zudem würde mich sehr interessieren, wieso du Kinder hast und wie du es vor die verantworten konntest. Traten die Suizidgedanken erstmalig auf? Hattest du im Vorfeld keine Sorge, durch deine Krankheit(en?) zu sehr beeinträchtigt zu sein?

    Interessant zu lesen ist das, auch wenn ich mit deinem Mann mitleide. Wie gut, dass du ihn hast. Alles gute!

    1. Ich habe in England eine Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht und auch ne Weile in dem Beruf gearbeitet, seitdem aber Hausfrau und Mama. In DE und in den USA wird die Ausbildung wegen anderer Standards etc. nicht anerkannt. Ich habe mit meinem alten Blog ein kleines Nebeneinkommen gehabt, falls das mit diesem auch wieder klappen würde, wäre ich nicht abgeneigt. Im Laufe der Therapien und vor allem nach dem Suizidversuch kam auch das Thema Arbeitsunfähigkeit immer wieder auf, aber das habe ich damals weggestossen. Ausserdem hatte ich grosse Angst, dass das bedeuten würde, dass ich nicht arbeiten könnte, wenn ich mal wollte und da damals auch der baldige Umzug in die USA schon in Aussicht standen, habe ich das nicht weiter verfolgt. Da ja die baldige Rückkehr nach Deutschland ansteht, kann ich mir was im Einzelhandel vorstellen, vielleicht in der Tat noch ne Ausbildung in DE…
      In 10 Jahren sehe ich mich: mit hoffentlich glücklichen Kindern in einem gesunden Familienverband, selbst hoffentlich glücklich…

      Die Kinder sind der Grund, weswegen ich überhaupt kämpfe, Hilfe angenommen habe und mich verändert habe. Wären die nicht, hätte ich wohl so weitergemacht, wie damals, es hätte ja keinen Grund gegeben, was zu ändern, keinen Grund, überhaupt zu versuchen, am Leben zu bleiben, die Kinder sind der Grund, weswegen ich überhaupt jeden Tag aufstehe und mich dem Leben stelle.

      Der Suizidversuch war nicht der erste, ich hatte davor eine Reihe grösserer und kleinerer Versuche, in England sogar mit polizeilicher Intervention, war auf einem extrem selbstdestruktiven Weg, der mich über kurz oder lange auch zu Grunde gerichtet hätte. Damals war mein Kurs pure Selbstzerstörung.
      Danach kamen zwar die Gedanken (die kommen immer wieder), aber ohne die Kraft und Macht, die sie damals hatten. Weitere Versuche gab es seitdem keinerlei mehr.

      Ich habe sogar viel Angst, dass so wie ich bin, meine Krankheit, ICH, sie negativ beeinträchtige. Sie sind aber halt auch der Grund, weswegen ich mein Handeln und Taten etc. reflektiere, weswegen ich überhaupt an mir arbeite, weswegen ich mich zusammenreisse etc.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.