Wie sozial ist Social Media eigentlich?

Facebook, Instagram und Co haben die Vernetzung und das In-Kontakt-Bleiben einfacher gemacht, denn je. Sie vernetzen Leute auf der ganzen Welt, ermöglichen schnelle Kommunikation und Interaktion, egal wie viele KM zwischen den Leuten liegt. Social Media ist mittlerweile fester Bestandteil des modernen Lebens, aber wie sozial sind unsere Netzwerke eigentlich wirklich?


Wenn man mal genauer hinschaut, entdeckt man immer wieder Aspekte an den neuen Medien, die fast vermuten lassen, dass einige (eventuell nicht wenige) Leute unsere neuen Medien für ganz unsoziale, man könnte schon sagen „asoziale“ Zwecke nutzt. Hater, Hetze und Heuchelei sind nur ein paar der Auswüchse, die das Alles angenommen hat.

Da stellt sich doch die Frage: Wie sozial ist Social Media eigentlich?


Nehmen wir mal Hater zum Beispiel – und damit meine ich nicht die Leute, die sachliche und konstruktive Kritik üben und weiterhelfen wollen und nette und gute Absichten haben: wie gemein muss man eigentlich sein, wie viel Negativität hat man angestaut, wenn man unschuldige Leute online einfach beleidigt, sich über sie lustig macht oder gegen sie hetzt? Langeweile? Unzufriedenheit mit sich selbst? Neid?
Einige gehen sogar soweit, zu drohen, sind obsessiv und verfolgen ihre Opfer regelrecht, bedrohen sie und beleidigen massiv. Die Bandbreite reicht von „Du bist hässlich, du Opfer!“ bis hin zu „Geh sterben!“. Schon irgendwie ziemlich asozial.
Natürlich sind nicht alle Leute online so, Gottseidank sind nicht Alle so. Viele, aber nicht Alle, nicht die Mehrheit. Und dann gibt es sogar das totale Gegenteil, Freundschaften, die online entstehen, echte Besorgnis um Andere, die man eventuell sogar nur aus dem Internet kennt.

Aber nicht nur das, dann ist da noch die Scheinwelt, für die sogar Einige bezahlt werden, sie aufrecht zu erhalten oder zu kreieren und zu inszenieren. Nicht selten erschafft diese negative Gefühle, eine Erwartungshaltung und oft auch Selbstzweifel. Reicht das, was ich tue, überhaupt, angesichts all der tollen Sachen, die online so gezeigt werden.
Man schaut bei Instagram und sie kunstvoll gestaltete Bento Boxen und Sandwiches in Einhornform und sieht dann auf die eigene Brotbox, die aus etwas Obst und einer „normalen“ Stulle besteht, ganz einfach und langweilig, in Brotform, nicht der eines Fabelwesens. Reicht das? Muss ich etwa mehr leisten?
Model- und Fitness-Mamas, die sich 3 Wochen nach der Entbindung schon wieder im Bikini nett fotografiert am Pool räkeln oder Unterwäsche-Modenschauen laufen und der Blick in den eigenen Spiegel zeigt weitaus weniger Glamour, vielleicht weitere Hüften, mehr Gewicht, Streifen. Das ist auch ok und legitim, im Real Life hat´s halt einfach kein Photoshop oder Filter.
Aber vielleicht eben doch eben ein kleiner, nagender Selbstzweifel, ob man und das, was man leistet, denn überhaupt reicht. Der Vergleich nach Aussen und vor allem nach Oben hin ist nicht immer einfach und motivierend. Im Gegenteil, er kann auch ganz schön runterziehen. Hier ist es wichtig, dass man sich bewusst macht, dass auf Social Media eben nur das Tolle und Positive gezeigt wird, das Leben von der Schokoladenseite und oft eben auch nur purer Schein und Inszenierung ist.
Schöne Bilder (auch, wenn inszeniert) sind dazu da, das Auge zu erfreuen, Inspiration zu geben und vielleicht auch, um zu motivieren, aber ganz sicher nicht, um sich negativ zu vergleichen oder gar darüber schlecht und minderwertig zu fühlen. Wenn dem so ist, sollte man darüber nachdenken, wozu man selbst die Sozialen Netzwerke und Medien eigentlich nutzt und eine positivere Herangehensweise finden, oder aber solche Dinge dann meiden, soweit es denn geht, wenn nötig.

Dann ist da noch die Sache, dass Social Media meist total anti-sozial konsumiert wird, nämlich alleine und für sich. Geteilt wird auf der Pinnwand und auf Instagram, nicht mehr im eigenen Wohnzimmer, bei Freunden oder in einem Cafe. Jeder starrt nur in sein Handy und lässt sich vorgaukeln, die Klicks und Likes, die man da verteilt, seien soziale Interaktion. Ein Like statt einer Umarmung, ein Kommentar statt einem Treffen in der Stadt, unser Sozialleben findet immer mehr online statt – und das meist ganz alleine.
Echte Interaktion kann durch die neuen Medien niemals ersetzt werden.
Allerdings können sie auch Menschen zusammenführen, Gruppen, die neu zugezogene Leute in der Stadt integrieren, aktiver, reger Austausch unter gleich interessierten Leuten, Mamas, Fotografen etc. aus aller Welt, ohne Barrieren. Die gefühlte Anonymität des Internets ermöglicht unter anderem freieren Austausch auch über gesellschaftliche Tabu-Themen wie psychische Störungen, Fehlgeburten, Partnerschaftsprobleme, Sex-Fragen und mehr.

Und noch so ein Ding, das absolut furchtbar ist und mich in der Tat immer und immer wieder erneut auf die Palme treibt: diese unsäglichen Mitleid-haschenden Bilder von kranken Menschen, sterbenden Menschen, leidenden Menschen oder Tieren und dem Zusatz (Bete für XY und)teile und like das Bild. Ob man denn nun religiös ist oder nicht, das Teilen und Liken in dem Falle ist quasi das neue Beten – es soll das eigene Gewissen etwas beruhigen, aber ohne unbequem zu sein, 1 Klick, ein Daumen hoch, vielleicht sogar noch ein trauriger Smiley und schon hat man seine humanitäre Pflicht getan. Ist auch in etwa gleich effektiv um dem gezeigten Leid Abhilfe zu schaffen, wie Beten.
Auch Leid, Armut und Missstände auf der Welt sind dank Social Media näher denn je – und einfacher von uns wegzuschieben, denn je, einfach per Klick oder Like.

Zu guter Letzt ist da noch diese eine Winzigkeit, nämlich dass nicht nur positive Stimmen eine breite Plattform haben, sondern auch negative, schädliche. Auch menschenverachtende, diskriminierende Stimmen und Inhalte finden ihren Platz, finden Gehör und ein Publikum.
Aber das ist Meinungsfreiheit, jeder mit einer Meinung hat ein Recht auf diese und auch das Recht, sie kundzutun…

Unsere Sozialen Netzwerke haben viele Vorteile, aber auch einige Stolperfallen und dunkle Ecken und Nachteile. Wir müssen sie intelligent, informiert und verantwortungsvoll nutzen.

Social Media ist halt eben nur so sozial, wie wir uns verhalten.

2 Gedanken zu &8222;Wie sozial ist Social Media eigentlich?&8220;

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