Schminken ist wie Kochen

Oft sind die Leute tendenziell erstaunt, wenn ich „Kochen“ als eines meiner Hobbies nenne – könnte zum Einen eventuell daran liegen, dass sie nicht glauben können, dass ein so schmales Persönchen wie ich in der Tat mit Essen in Berührung kommt – in der Tat ist es so, dass ich seit Jugendzeiten an einer Essstörung leide, kochen tu ich dennoch gerne und ich hab sogar Lieblingsessen – zum Anderen eventuell daran, dass die Leute nicht glauben können, dass ich aufgetakeltes, stark geschminktes, in High Heels lebendes Geschöpf für irgendetwas Anderes als Schminke Sinn, Zeit oder Kopf habe. Aber in der Tat, ich liebe es, zu kochen, eine kleine Martha Stewart steckt in mir, aufwendig und kompliziert mit 8 Stunden Zubereitungszeit? Da wird mein Ehrgeiz und meine Neugier geweckt.

Da wundert es fast nicht, dass ich damals in England auch eine kleine Zusatzqualifikation zur Küchenhilfe im Altenheim in dem ich arbeitete, machen durfte und den Küchendienst sehr mochte. Ich musste, um in der Küche arbeiten zu dürfen, einige Lebensmittelsicherheitskurse und Food-Handling Kurse besuchen, die sehr lehrreich und spannend waren. Witzigerweise fielen immer und immer mehr Parallelen zu Makeup und zum Schminken auf. So abwegig, dass beides ein Hobby ist, ist das gar nicht, Schminken und Kochen haben eine ganze Menge Gemeinsamkeiten.
Glaubst du nicht?
Ist aber in der Tat so, lies selbst!

1 – Du spülst Teller, Besteck und Töpfe, reinige auch deine Makeup Utensilien

Niemals würdest du dein Rührei in einer verkrusteten Pfanne mit den Eiresten von Vorgestern zubereiten, oder? Nein, Geschirr etc. wird nach der Benutzung und vor erneutem Gebrauch gespült, ganz selbstverständlich. Warum also sollte man dreckige, bereits verwendete Makeup Utensilien benutzen? Das Prinzip ist das Gleiche, der Schmutz eventuell etwas weniger sichtbar, aber durchaus genauso da. Du spülst dein Geschirr ja auch nicht nur einmal im Monat oder so, warum sollte man mit Pinseln etc. anders verfahren? Saubere Pinsel sind genauso wichtig, wie sauberes Geschirr.

2 – Die Lagerung bestimmt die Haltbarkeit

Wir verstauen automatisch Käse, Wurst, Joghurt etc. im Kühlschrank, Kaffee, Mehl etc. werden im Schrank verstaut – Lebensmittel halten sich richtig gelagert am besten, das bedeutet kühl, dunkel und ohne grosse Temperaturschwankungen und möglichst trocken.
Was für Lebensmittel gilt, gilt auch für unsere Kosmetik: dunkel (oder zumindest nicht im prallen Sonnenlicht, da kippt schon mal gerne was auch innerhalb von Stunden), kühl und ohne Temperaturschwankungen (oder zumindest nicht im heissesten Raum des Hauses, idealerweise im kühlsten) und vor allem frei von hoher Feuchtigkeit (das bedeutet, idealerweise nicht im Badezimmer lagern, da ist es dank Bad und Dusche viel zu feucht und meist ist das auch noch der sonnendurchflutetste Raum im Haus) lagern, dann hält Kosmetik länger.

3 – Du bereitest Essen vor – bereite auch dein Gesicht vor

Du würdest niemals einfach so in begrabbeltes Obst aus dem Supermarkt beissen, auch der Fisch wird geschuppt und ausgeweidet, Kartoffeln geschält und in Stücke geschnitten etc. – keiner geht her und schmeisst einfach Kram in nen Topf und macht dann heiss, nein, Essen wird vorbereitet. Genauso sollte das Gesicht vorbereitet werden, gleich nach dem Aufstehen drauf los pinseln ist nicht so gut. Reinige dein Gesicht, pflege es, trage Sonnenschutz auf, mach regelmäßige Peelings, nutze Toner etc. Wie auch beim Kochen, gute Vorbereitung und schonender Umgang mit den Zutaten, in dem Falle deiner Haut, sind Voraussetzung für ein gutes Ergebnis.

4 – Haltbarkeitsdaten sind grobe Angaben, keine festen Daten

So wie Nahrungsmittel auch, ist Kosmetik oft nicht ewig haltbar. Wie lange etwas haltbar ist, hängt oft von der Art der Lagerung und dem richtigen Umgang mit dem Lebensmittel ab – wer vergisst, die Milch zurück in den Kühlschrank zu stellen, der wird nicht lange Freude an ihr haben, genauso wie Parfum, das in der Sonne stehen gelassen wird, schnell kippen kann – und auch die Art des Lebensmittels – Nudeln und Dosen halten sich länger als Käse und Wurst, genauso wie Puderprodukte wesentlich länger haltbar sind, als Cremes.
Wie auch bei Lebensmitteln, ist bei Kosmetik ein Haltbarkeitsdatum aufgedruckt, bei Kosmetik wie lange die Kosmetik nach Öffnen haltbar ist, die Angaben sind, wie bei Lebensmitteln, grobe Richtlinien, keine festen Verfallsdaten. Wer seine Kosmetik richtig lagert und hygienisch verwendet, der wird länger Freude an ihr haben, als wenn sie falsch gelagert oder unhygienisch verwendet wird.
Verlasst euch einfach auf eure Sinne, so wie beim Essen auch: wenn etwas seltsam riecht, sich anfühlt oder seltsam aussieht, dann sollte es in den Müll.

5 – Ohne das richtige Werkzeug geht Nix

Ohne das richtige Werkzeug wird man in der Küche wenig reissen – schon mal versucht, in einer Küche, die nur einen Topf hat, und ein kleines, stumpfes Messer, ein Drei-Gänge Menu zu kochen? Ist nicht so einfach, das Ergebnis wird nicht so ganz, wie man sich vorstellt und es frustriert wahnsinnig, so zu arbeiten.
Das gleiche gilt für professionelles Makeup, das man aber ohne die notwendigen Werkzeuge kreieren will – Smokey Eyes verblenden, wenn man nur einen Applikator hat, Kontur verblenden, wenn man weder Foundation Buffer noch Makeup Blender Schwamm hat, etc. das wird schwer.
Man braucht erst das richtige Werkzeug und gutes idealerweise noch dazu – schon mal versucht, mit nem stumpfen Messer zu schneiden? Gleiches gilt für Pinsel, die borstig, stachlig und qualitativ minderwertig sind.

6 – Grundlagenwissen ist wichtig

So wie man beim Kochen etwas Warenkunde können muss (was ist eine Kiwi, wie bereitet man Fisch zu etc.), sollte man seine Basics auch beim Schminken drauf haben (was ist Concealer, wie und wo trägt man Highlighter auf). So wie die verschiedenen Garzeiten beim Kochen und das Garen in der richtigen Reihenfolge, gibt es auch beim Makeup Abläufe, die idealerweise bleiben und in einer bestimmten Reihenfolge passieren sollten (erst Primer, dann Correcting Concealer, Foundation, Concealer, Cream Contour etc.).

7 – Nachwürzen geht immer, was wegnehmen ist nicht so einfach

So wie beim Kochen ist es beim Schminken auch – das Prinzip des Überwürzens gibt es auch beim Makeup – so wie man zu viel Salz oder zu viel Schärfe kaum mehr aus einem Gericht bekommt, wird es schwer, wenn man zu viel Produkt auf einmal verwendet hat. Zu viel Blush oder zu viel Foundation? Das ist genauso schwer zu retten, wie zu viel Salz in der Suppe.
Deswegen gilt fürs Makeup der gleiche Grundsatz wie beim Würzen – nachlegen geht immer, also vorsichtig würzen/schminken.

8 – Inhaltslisten checken ist wichtig

Beim Essen kaufen ist das schon fast Standard, man schaut auf die Zutatenlisten und guckt, dass nicht zu viel Mist im Essen ist, Geschmacksverstärker, Zusätze, zu viel Fett, falsches Fett, zu viel Zucker etc. Man achtet darauf.
Bei Kosmetika sollte man das auch tun – so wie beim Essen sollte man sich auch über Kosmetikinhaltsstoffe ein grobes Grundwissen aufbauen und die Inhaltsstoffe checken, Silikone in Haarpflege, Alkohol, irritierende Duftstoffe etc. – auch bei Kosmetika gibt es Inhaltsstoffe, die man meiden oder nur gemäßigt verwenden sollte.

9 – Qualität muss nicht immer teuer sein UND es kommt auf den Koch / Anwender an

Schon mal Leute gehört, die mosern, dass ordentliches Essen ja viel zu teuer ist? Das Gleiche hört man oft bei Makeup – “ja du benutzt ja auch den teuren Kram, klar, dass das toll aussieht.” – so einfach ist das nicht. In der Tat kann man sich auch mit wenig Geld gut ernähren, so wie man auch mit wenig Geld sehr gute Kosmetika kaufen kann.
Man muss sich nur auskennen und hier kommt dann Grundwissen um Techniken und Inhaltsstoffe und das richtige Werkzeug zum Tragen, die sind oft viel wichtiger, als der Preis des Produktes.
Gute Kosmetik gibt es in Drogerien zu Hauf, es muss nicht immer teuer sein.
Und wie beim Kochen auch – jemand, der nicht kochen kann, wird auch mit Steak und Hummer kein gutes Essen zaubern, ein guter Koch aber sogar aus Reis und Bohnen eine Köstlichkeit zaubern. So ist es beim Makeup auch, wer die Technik drauf hat, wird auch mit günstigen Drogerieprodukten schöne Looks schminken, wer noch übt, wird auch mit teuren Produkten nicht urplötzlich zum Profi.

10 – Geschmäcker sind verschieden

Mein Mann liebt Oreos, ich mag sie nicht sonderlich, Geschmäcker sind verschieden. Auch beim Makeup – erlaubt ist, was gefällt oder schmeckt.
Viele Leute mögen Lidschatten in Blau nicht, ich liebe ihn – viele Leute finden zu krasse Lippenstifte nicht schön, ich aber.

Makeup und Essen sollten Spass machen – vergesst das nie.

 

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