die Wahrheit über Haarwachstum und Wundermittel

Immer wieder kommt sie auf, die Frage, die mich als (auch) Beauty-Blogger immer wieder aufs Neue ein kleines bisschen mehr in den Wahnsinn treibt:
Was hat es eigentlich mit Haarwuchsprodukten, wie Shampoos, Tabletten etc. auf sich?
Taugen Hair Jazz und Konsorten, die versprechen, die Haare schnell und lang wachsen zu lassen überhaupt was?

Da ich in der Tat keine Lust habe, mich immer und immer wieder zu wiederholen, tausendfach die gleichen Fakten und wissenschaftlichen Hintergründe runterzubeten, hier ein ausführlicher Post, wie Haarwachstum denn eigentlich funktioniert und WAS GENAU man denn eigentlich tun kann und was pure Geldverschwendung ist.

Der Mensch hat eigentlich am gesamten Körper Haare – im Laufe der Evolution entwickelte sich die Körperbehaarung beim Menschen aus Mangel an Notwendigkeit (wir wissen Kleidung zu nutzen, so wie Wärmequellen zu schaffen und zu erhalten) zurück, an Bauch, Rücken, Armen und Beinen haben wir nur noch wenig Restfell, je nach Individuum etwas mehr oder weniger ausgeprägt, aber ein Fell haben wir nicht mehr.
Die meiste Behaarung ist im Schambereich, unter den Armen und im Gesicht (Bart, aber auch Wimpern und Brauen, die unsere Augen schützen und somit eine feste Funktion haben) und natürlich auf dem Kopf.
Heute widmen wir unsere Aufmerksamkeit vor allem dem Haupthaar.
Das Haarwachstum ist genetisch reguliert und umfasst 3 unterschiedliche Phasen – das Haar wächst ca. 1,25 cm pro Monat im Schnitt:

1. Anagene Phase

2. Katagene Phase

3. Telogene Phase

Alleine der Fakt, dass das Wachstum genetisch reguliert ist, zeigt, wie schwachsinnig also die meisten Versprechen bezüglich Haarwachstum sind.

1 – Anagene Phase

Die Anagene Phase wird auch als “Wachstumsphase” bezeichnet. Das Haar kann sich bis zu 6 Jahre lang etwa in dieser Phase befinden – die Dauer dieser Phase ist genetisch festgelegt.
Die Zellen in der Papille (siehe Bild) teilen sich und produzieren neue Fasern, die Haarzwiebel gräbt sich tief in die Dermis ein, um eine ideale Versorgung des Haares zu gewährleisten.
Etwa 85% des gesamten Haares befindet sich jeweils in der Anagenen Phase.
Je länger das Haar sich in dieser Phase befindet, desto länger kann es wachsen, die Wachstumsgeschwindigkeit kann nicht beeinflusst werden, genauso wenig wie die Länge der Phase.

Hier findet sich auch die Erklärung, warum bei einigen Leuten die Haare nie über einen bestimmten Punkt hinaus zu wachsen scheinen, ihre Anagene Phase erlaubt nur diese Länge. Leute, die eine längere Anagene Phase haben, sind entsprechend auch in der Lage, ihr Haar länger wachsen zu lassen, als Personen mit einer kürzeren Anagenen Phase.
Da diese aber genetisch vorgegeben sind, lässt sich Haarwachstum auch nicht direkt beeinflussen, nur Haargesundheit.

 

2 – Katagene Phase

Die Katagene Phase wird auch als “Übergangsphase” bezeichnet und ist der Zeitraum, in dem sich das Haar quasi regeneriert. Diese Phase dauert ca. 2 Wochen an und nur etwa 1% des gesamten Haares befindet sich jeweils in dieser Erneuerungs- oder Übergangsphase.
Signale, die das Ende der Anagenen Phase einläuten, werden vom Körper ausgesendet, dazu gehört unter anderem der Stop der Melanin-Bildung im Haar.
Die Papille kappt ihre feste Verbindung und den Anschluss an den Blutkreislauf und somit auch die Versorgung des Haares. Im Zuge dessen verkleinert sich die Haarzwiebel in den kommenden 2 Wochen und der Haarschaft wird nach oben gedrückt. Rein faktisch wächst das Haar in diesem Zeitraum nicht mehr aktiv, aber das Hochschieben des Haarschaftes kann sich als messbare Länge bemerkbar machen.

3 – Telogene Phase

Die Telogene Phase wird auch als “Ruhephase” bezeichnet, das Haar befindet sich für ca. 1 – 4 Monate in dieser Ruhephase.
Die Hautzellen, die das Haar umschliessen, wachsen auch in der Ruhephase des Haares weiter und sichern es so noch eine Weile an seinem Ort, auch wenn es nicht mehr mit der Blutlaufbahn verbunden ist. So kann es, ohne die Reserven des Körpers anzugreifen, noch eine Weile seinen Dienst tun, während das Follikel ruht.
Nach einer Weile beginnt das Follikel wieder zu wachsen, was den Verbindungspunkt des Haarschafts weicher und instabiler macht. Der Schaft kann sich lösen und das Haar fällt aus.
Innerhalb von etwa 2 Wochen wächst ein neuer Schaft, wenn die Telogene Phase abgeschlossen ist und die Anagene Phase wieder beginnt.

Wie bekomme ich denn nun lange und gesunde Haare?

Das Wachstum der Haare ist, wie wir gerade gelernt haben, hauptsächlich genetisch veranlagt und weder die Wachstumsphase, -Geschwindigkeit noch die Dauer der Phasen können beeinflusst werden – macht es also überhaupt Sinn, etwas zu tun? Kann ich überhaupt etwas tun?

Ja, es macht Sinn, wenn auch die Länge und Wachstumsgeschwindigkeit nicht beeinflusst werden können, die Haargesundheit können wir erhalten sowie vorzeitiges Abbrechen minimieren – Tipps und Tricks dazu gibt es einige:

 

• Gesunde Ernährung: die Ernährung spielt eine große Rolle, wenn es um Haargesundheit geht, das Haar ist mit unserem Blutkreislauf verbunden und wird mit Nährstoffen versorgt. Diese müssen wir zu uns nehmen, damit sie in die Haare gelangen können. Schlechte Ernährung kann sich auf die Gesundheit und Versorgung der Haare niederschlagen, sie sind dünner und brechen schneller und leichter ab.
• Stress reduzieren: Stress ist eine der häufigsten Ursachen für Haarausfall, massiver Stress kann sogar die Telogene Phase beeinflussen und sie bei mehr Haaren als eigentlich üblich, eintreten lassen, um die Recourcen des Körpers zu sparen.
• Chemische Haarbehandlungen vermeiden oder minimieren: chemische Prozesse, wie Bleichen, Dauerwelle, dauerhafte Haarglättung, Färben etc. schädigen die Haare massiv. Es ist also ratsam, diese Prozeduren so selten wie möglich durchzuführen und / oder zu Produkten, die Haarschäden minimieren, zu greifen, wie Olaplex zum Beispiel.
• Hitzeschäden vermeiden: Hitze ist einer der grössten Feinde gesunden Haares, Hitze greift die Haarstruktur an, kann sie brüchig und porös machen und zu vermehrtem Abbrechen führen. Zu oft Föhnen, Glätten oder auch Locken mit Hitze machen sollte vermieden werden und immer ein Hitzeschutz angewendet werden. Ideal ist aber der Verzicht auf Hitze und schlicht an der Luft trocknen lassen, so oft es nur geht.
• Die richtige Frisur: auch die richtige Frisur kann die Haargesundheit beeinflussen, Haare, die stetiger Reibung ausgesetzt sind oder die immer an der gleichen Stelle abgeknickt werden, brechen einfacher und schneller. Es ist also sinnvoll, bei Schulterlänge, wenn die Haare viel auf den Schultern aufliegen, die Haare oft hochzustecken, um dieses Aufliegen zu vermeiden, es kann zu Spliss führen. Auch zu enge Zöpfe oder falsches Zopfgummi (die mit dem Metallteil sind unser Feind) kann zu Haarbruch führen. Auch die Reibung an viel Material, wie im Winter oft vorkommend, durch Schals, Jacken und dicke Pullover können das Haar belasten und schwächen. Lockere Hochsteckfrisuren sind schonender für das Haar und entlasten es etwas.
• Satinkissenhüllen oder Haarkappen: Wie bereits oben erwähnt wurde, ist Reibung für die Haare nicht sonderlich gut – und gerade in der Nacht liegen wir mit dem Kopf auf dem Kissen, wälzen uns hin und her und reiben die Haare am Kissenbezug. Es macht also Sinn, einen Bezug aus einem Material zu wählen, das die Reibung minimiert. Seide ist dafür ideal, alternativ kann auch eine Haarkappe, die über Nacht die Haare schützt, helfen.
• Richtig Haare waschen und nicht zu oft: Das falsche Shampoo kann die Haare belasten, austrocknen oder beschweren, sanfte, mild reinigende Shampoos sind ideal. Zu aggressive Produkte schaden mehr als dass sie Gutes tun. Auch das pure Prozedere des Haare-Waschens kann belasten, auch hier kommt wieder Reibung ins Spiel und zu häufiges Haarwaschen kann die Kopfhaut belasten, austrocknen und die natürliche, wichtige Talgproduktion ins Ungleichgewicht bringen. Die Haare sollten nur gewaschen werden, wenn es wirklich notwendig ist, idealerweise selten, bzw. nicht zu oft.
• Native Öle sind dein bester (Haar)Freund: Natürliche Öle sind die beste, einfachste und unkomplizierteste Pflege und unglaublich effektiv und sie haben viele gute Inhaltsstoffe, die dem Haar helfen, gesund zu bleiben und wichtige Nährstoffe und Vitamine liefern. Native Öle können die Schuppenschicht des Haares versiegeln und glätten, das Ausfallen von Protein aus dem Haar verhindern, vor Hitzeschäden und Schäden durch UV Strahlung schützen. Achtet darauf, dass es sich um natives Öl handelt, unbehandelt und ohne Zusätze, diese haben die meisten Nährstoffe.
• Nahrungsergänzungsmittel: Auch Nahrungsergänzungsmittel sind weit verbreitet und können etwas helfen. Am bekanntesten sind Biotin und Kieselerde. Biotin ist extrem wichtig für die Haargesundheit, allerdings wird der Bedarf an Biotin in der Regel über die tägliche Ernährung gedeckt, echter Biotinmangel ist sehr selten. Kieselerde wird auch immer wieder erwähnt, allerdings ist trotz mehrerer Studien kein Beweis gefunden worden, dass das Mittel wirkt, im Gegenteil, Kieselerde kann sich negativ auf die Nieren auswirken und sollte deswegen gemieden werden. Biotin ist zwar ungefährlich, aber wie bereits erwähnt, sind echte Biotindefizite im Menschen sehr selten – ausserdem ist der Körper in der Lage, Biotin quasi zu recyceln, die Dosen auf den meisten Biotin Nahrungsergänzungsmitteln sind viel zu hoch angegeben, die Hälfte würde locker reichen. Wann immer man Nahrungsergänzungsmittel in Betracht zieht, sollte zuvor erst ein Arzt zur Rate gezogen werden, man sollte solche Dinge nicht auf eigene Faust nehmen – denkt an eure Gesundheit.

Was ist also mit diesen Haarwuchsmitteln und Supershampoos? Sind sie wirklich kompletter Mist?

Sie verhelfen dem Haar auf jeden Fall nicht dabei, schneller oder besser zu wachsen. Das Einzige, was sie eventuell können, ist die Haare pflegen, so dass sie gesünder und kräftiger wachsen. Viele dieser Super-Shampoos enthalten nicht sonderlich viel ausser Tonnen an Silikonen, die das Haar beschweren und gesund und länger aussehen lassen, aber gar nicht wirkllich pflegen.

Wer wirklich Was für lange, gesunde Haare tun will, nimmt sich oben genannte Tipps zu Herzen.

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