Eine grosse Entscheidung – warum wir nach Deutschland zurückwandern wollen

Still war es hier …
So viel zu den guten Vorsätzen von wegen “regelmässiger bloggen“ und so. Das war bisher eher ein Satz mit X.
Allerdings hatte es 2017 bisher auch noch nicht so mit nicht total kacke sein, also sind wir quasi quitt.
Ja, das klingt schon wieder nach ’ner Heul- und Motztirade meinerseits, aber nein, davon hab ich in den letzten Wochen genug veranstaltet, heute ist mir nach aufstehen, abstauben, Krönchen richten und weitermachen. Ok, eigentlich ist mir heute eher danach, faule Orangen auf die neue faule Orange in Washington DC zu werfen, aber ich befürchte fast, das würde nicht all zu viel bringen. Entsprechend verbringe ich meine Zeit anders, lieber den Frust und die Wut und das Unverständnis von der Leber bloggen oder so. Aber nicht mal das würde helfen, die letzten Wochen und Monate habe ich mich immer wieder auf politischen Seiten etc. ausgelassen, diskutiert, elaboriert etc., aktuell bin ich müde des allen, zu müde, jetzt ist es eh zu spät, so scheint es hier aktuell zumindest.

Der Anfang vom Ende hat hier begonnen und es war nicht leicht, diesen Fakt die letzten Wochen zu akzeptieren und anzunehmen.
Das bezieht sicht nicht (nur) auf den neuen Präsidenten der USA hier, den Cheeto in Chief, sondern auf unsere Zeit hier in den USA.

Seit über 4 Jahren leben wir nun hier, nun haben wir beschlossen, den Schritt zurück nach Deutschland zu tun!

Die Gründe dafür sind vielfältig und nicht alleine politisch motiviert, wenn auch die aktuelle Entwicklung bedenklich ist und der allgemeine Tenor von Abwanderung nach Kanada etc. in den letzten Monaten nicht weniger laut geworden ist. Die politische Entwicklung ist definitiv ein Faktor und nein, man braucht mir jetzt nicht die deutsche Politik-News-Welt unter die Nase zu reiben, auch deutsche Entwicklungen habe ich hier immer weiter verfolgt und weiss, dass auch bei euch nicht Alles rosig ist, aber “nicht rosig“ ist immer noch besser als “apokalyptisch“…
Der Fakt, hier keinerlei Familie im Umkreis von tausenden Kilometern zu haben, hat mich schon immer leicht gestört, was aber in den vergangenen Jahren immer massiver wurde. In der Tat, ich vermisse meine Eltern, meine Familie, ein Umfeld zu haben, das für einen da ist und einen auffangen kann, im Falle des Falles, ich vermisse Familienfeste, Geburtstage, Feiertage im grösseren Kreis, Grosseltern für die Kinder zu haben und noch so Vieles mehr. Tja, man vermisst immer das, was man nicht hat, ne…

Natürlich spielten noch eine Tonne weiterer Faktoren eine Rolle: Existenzsicherheit, Lebensstandard, aber auch medizinische Versorgung oder das Bildungssystem. Wenn man noch politische Entwicklungen hier in den USA im Hinterkopf behält, die Hoffnung, dass diese bereits sehr mangelhaften Punkte sich in den kommenden Jahren verbessern werden, ist mehr als gering.
Entsprechend unsere Entscheidung, nach Deutschland zurück zu gehen.

Lange haderte ich damit, zwar war ich schon lange nicht sonderlich glücklich und mit immer mehr Dingen unglaublich unzufrieden, oft auch total vom Glauben abfallend, wenn ich neue Dinge über die USA lernte, aber selbstverständlich ist hier auch nicht ALLES negativ und ich werde Dinge vermissen, wie die Offenheit der Amis und diese teilweise sehr befreiende ScheissEgal-Einstellung, wenn es um so Kram wie Schlafanzug im Supermarkt geht, auch den Fakt, dass man quasi rund um die Uhr und an JEDEM Tag und auch Feiertag einkaufen kann, sowie ein paar andere Amerikanische Feinheiten und Kleinigkeiten. In der Tat ist es aber so, dass ich so Vieles gar nicht vermissen werde – wir sind keine reichen Leute, die den American Dream von viel Geld und einem Strandhaus in Miami ohne Sorgen leben – der American Dream ohne Geld, bzw. als durchschnittlicher Ami ist eher ein nicht sonderlich guter Traum, mit der aktuellen Tendenz zum Alptraum, da will ich ganz ehrlich sein.

Was immer Hollywood und Serien zeigen, sie haben mit der Realität des Alltags eines durchschnittlichen US Bürgers etwa so viel zu tun, wie Bollywood mit der Alltagsrealität des durchschnittlichen Inders: herzlich wenig.

Dazu muss ich sagen, dass ich, bevor wir von der US Army hierher versetzt wurden, nie in den USA war, nicht einmal zum Urlaub Machen. Entsprechend war ich mir bewusst, dass ich mich da auf ein nicht risikoarmes Abenteuer einlasse. Nicht nur der Fakt, dass ich das Land nicht wirklich kannte und auch dort niemanden hatte, an den ich mich im Falle von Problemen wenden konnte, quasi komplett abhängig von meinem Mann wäre, sondern auch noch der Fakt, dass ich nicht mal das Land zusammen mit den Kindern verlassen konnte, wenn denn der Mann die Zustimmung zur Ausreise verweigert. Um private oder beziehungstechnische Dinge machte ich mir wenig Sorgen, das Vertrauen in unsere Beziehung und auch bereits erfoglreich gemeinsam überstandene, massive Probleme und Hürden im Leben, machten mich sehr zuversichtlich, dass auch hier keine unüberwindbaren Differenzen auftreten würden. Auch wenn es in den letzten Jahren nicht immer leicht war und in den vergangenen Monaten immer diffiziler wurde, an unserer Liebe und unserem Zusammenhalt und dem Fakt, dass alleine zählt, dass wir zusammen sind, hat das Alles keinerlei Abbruch getan, im Gegenteil, das Gefühl ist nur umso stärker. Etwas Gutes hat das Ganze in der Tat, gefestigt ist unsere Ehe, dessen können wir uns ziemlich sicher sein, gerade an Problemen wegen / durch eine Auswanderung zerbrechen unglaublich viele Partnerschaften, auch im Bekanntenkreis in den vergangenen Jahren leider nur zu oft miterlebt.
Wie auch immer, es bestand von Beginn an die Eventualität, dass das ganze Amerika-Ding scheitern könnte.
Allerdings war dann da auch noch sehr viel Naivität, ein guter Teil Weltfremdheit und schlichtes Unwissen und eine recht grosse Portion Hoffnung und von Hollywood induzierte Träumerei. Innerlich hoffte ich auf ein grandioses Auswanderer-Leben, idealerweise in netter Wisteria Lane Szenerie, mit süssem Gartenzaun und schönem Haus, was eh fast jeder in den USA besitzt, so ist das doch, oder?
Ok, die Realität sah dann etwas anders aus.

Man verstehe mich nicht falsch, die USA können sicher wunderschön sein, wer aber deutschen Lebensstandard und Existenzsicherheit gewohnt ist, für den ist hier Vieles mehr als befremdlich. Das System dysfunktional und komplett veraltet; Dinge, die in Deutschland Selbstverständlcihkeiten sind, wie medizinische Versorgung oder auch Bildung, sind hier oftmals Luxus.

Sagen wir es mal so: ich hatte schlicht etwas Anderes erwartet, die Realität wurde in den Jahren mehr und mehr zu einer Enttäuschung.
Zu Beginn war ich noch sehr pro-Amerika, klar, musste ich irgendwo auch, anders hätte ich die Dinge, die unsere Familie für die Army durchstehen musste (und damit unterscheiden wir uns nicht von tausenden und Millonen anderer Army Familien), kaum rechtfertigen können. Eine Weile lang rechtfertigte ich sogar so abstruse Dinge wie die seltsamen Waffengesetze des Landes – die Skepsis wuchs immer weiter, auch bezogen auf andere Dinge, umringt war ich, wenn ich Kritik äusserte, zwar sehr oft von Verständnis, aber auch gleichzeitig wahnsinnig viel Unwillen, etwas zu ändern, bzw. wahnsinnig wenig Einsicht, dass man das doch Alles mal ändern sollte. Statt dessen viel Kontra, viel “aber es war schon immer so“ und “darauf basiert nun mal unser Land“ und zig Argumente, warum man NICHTS ändern sollte. Die Amerikaner haben teilweise unerschöpfliche Energie, wenn es darum geht, Dinge schlicht beim Alten zu belassen, oder fragwürdige Gesetze und Verfahrensweisen des Staates zu rechtfertigen, anstatt daran zu arbeiten, diese zu verbessern.
Immer öfter erwischte ich mich dabei, den Kopf zu schütteln und mich innerlich zu ärgern und eines Tages stellte der Mann mir die Frage, was ich denn tun würde, sollte ihm etwas zustossen. Die Antwort von meiner Seite kam wie aus der Pistole geschossen: “Nach Deutschland zurück gehen!“ Nichts am System hier würde mich darin bestärken, doch hier mein Glück zu versuchen, in der Tat musste ich zugeben, schon lange Zeit war der einzige Grund, warum ich überhaupt noch im Lande war, mein Mann und sonst nichts. Der schaute mich an und meinte, dass der einzige Grund, warum er hier sei, nur der wäre, weil ich nun mal eben nun auch hier wäre und er sei an und für sich in Deutschland nicht unbedingt unglücklich gewesen, besser als das Leben in den USA sei es allemal. Wäre die Versetzung nicht gewesen, er gab zu, er wäre wohl nie wieder in die USA zurückgekehrt.
Die Überlegung, die USA wieder zu verlassen, stand schon länger im Raum, im vergangen Jahr gingen Bestrebungen, eventuell wieder nach England zu gehen, von uns aus, die aber durch die massiv erschwerten Einwanderungsbedigungen in den letzten Jahren und auch nach Brexit nicht sonderlich schnell vorangingen. In den USA selber hielt uns aber auch Nichts.
Natürlich fiel der endgültige Beschluss nicht sofort und in diesem Moment, aber was in den vergangenen Monaten immer wieder Thema war, wurde jetzt ernsthaft und atkiv in Erwägung gezogen. Wir redeten ewig, machten Pro-Kontra Listen, versuchten zu eruieren, wo unsere Familie die besten und gesichertsten Zukunftsaussichten hätte und entschieden dann gemeinsam, den Schritt nach Deutschland zurück zu gehen und wir sind nun dran, die Rückker zu organisieren.

Ich werde sicherlich Einiges vermissen, aber letztendlich bin ich nun erleichtert und froh über unsere Entscheidung.

10 Gedanken zu &8222;Eine grosse Entscheidung – warum wir nach Deutschland zurückwandern wollen&8220;

  1. Wow, toller Post! Ich kann mir vorstellen, dass es sicherlich einfach eine harte Entscheidung für euch war! Ich selber habe ein halbes Jahr in den USA gelebt und muss echt sagen, dass es mir wieder gerade so fehlt. Ich denke auch schon länger nach, später vielleicht mal hinzu ziehen, aber ich schätze, dass es mir dann so wie dir gehen würde und ich nur 2-3 Jahre vor Ort bleiben würde. Ich mag das Land echt und diese Vielseitigkeit ist meist einfach genial, aber wenn es um Bildung, Krankensysteme und Co. geht hat Deutschland einfach einen großen Vorteil, der nicht zu verachten ist. Auf jeden Fall Respekt für diesen großen Schritt! Wird es postings geben, wie ihr umzieht? Mich würde das mal interessieren, wie man sein Hab & Gut von der einen Seite der Welt auf die Andere bringt ;). Viel Erfolg!

    1. Hätten wir keine Kinder, würde ich das durchaus noch anders sehen, auch wenn der Mann noch in der Army wäre, weil durchaus gute Absicherung, so aber… Wir schliessen nicht aus, wenn die Kinder älter sind oder erwachsen, eventuell wieder her zu kommen (auch je nach Entwicklung im Land, wobei ich da keine Katastrophen die länger als 8 Jahre gehen, sehe), aber aktuell nee.
      Was das Hab und Gut angeht, in der Tat werden wir das meiste vor Ort liquidieren und schlicht am Ziel neu kaufen, weil der Transport ewig dauert und man EH was für zwischendurch braucht und es sich generell kaum lohnt, Elektrogeräte mit der Spannung gehen meist eh nicht etc. Da ist verkaufen und dann neu kaufen das Intelligentere. Ich nehme nur einen Teil meiner Makeup Sammlung plsu weniger persänliche Sentimentalitäten und einen Teil meiner Klamotten und Schuhe mit, der Mann ein paar Gaming Sammlerstücke, ansonsten kommt wenig mit rüber…

  2. Ich wünsche euch alles Gute und hoffe, dass ihr viel Hilfe beim Organisieren und Umziehen habt! Leider kann ich dir in allen Punkten, die du genannt hast, zustimmen. Ich habe in den letzten Wochen angefangen, mir zu überlegen, wie lange ich wirklich in den USA bleiben will bzw. wie lange ich es mir noch leisten kann. Amerika war ein Traum, aber nie dass ich mit Anfang 30 wieder in einer WG wohnen muss, weil die Mieten in Boston permanent noch teurer werden. Schön finde ich auch immer wieder, wenn Amerikaner von Rentenversicherungen reden, die weder meine Freunde noch ich mir leisten können. Vorerst bleibe ich aber noch und schaue mir an, wie es mit der „faulen Orange“ (ich liebe deine Metapher!!!) wird …

  3. Solch eine Auswanderung (die USA sind ja nicht gerade nebenan) stelle ich mir sehr stressig und nervenaufreibend vor, aber ich denke speziell Du wirst wieder glücklicher sein, weil Du schließlich auch wieder Familie in der Nähe hast und wieder andere Perspektiven auf Euch warten.
    Allemal ist es mutig und erstrebenswert – zumal das nicht Eure erste Auswanderung ist.

    Was ich mich immer frage ist die Tatsache, wie die Kinder damit umgehen.
    Ich kann mich noch genau daran erinnern, was für ein Theater ich als Kind gemacht habe, als wir nur innerorts umgezogen sind.
    Kinder können da manchmal etwas speziell sein… Wie war das bei Euch? Blieb Euch wenigstens das erspart oder sind die damit auch nicht immer gleich warm?

    Grüße,
    Missy.

    1. Es ist in der Tat teilweise ein kleiner Alptraum, aber der Vorteil, dass wir aus der letzten Auswanderung haben lernen können, ist auch gross.
      Mini hat bisher noch gar keinen Umzug mitgemacht, der Grosse war damals 18 Monate und findet das Alles bisher jetzt spannend, weil Flugzeug und Oma und Opa treffen und Alles. Wir haben in DE dann halt ein familiäres und freundschaftliches Auffangnetz, das hier quasi gar nicht vorhanden ist, ich hoffe, dass das Alles weniger schlimm macht, falls es für die Kinder schwer werden sollte.

  4. Wow, ein grosser Schritt den ihr macht, Respekt. Wisst ihr den schon, wohin es geht in Deutschland? Und wird dein Mann oder du in Deutschland arbeiten gehen? Generell wäre es total interessant, euren „Umzug“ via Blog mitzuerleben 🙂

    1. Wir wollen wieder nach Bayern, da habe ich Familie und wir noch viele Freunde, ausserdem sind die US MilitärBases da ja auch. Arbeiten werden wir wohl beide, hauptsächlich wohl aber er. Das Ding ist, ich habe keine in Deutschland anerkannte Ausbildung (habe in England als staatlich zertifizierte Altenpflegerin gearbeitet, das wird in DE aber nicht anerkannt) und bin auch seit Jahren aus dem Berufsleben raus. Ich bin nicht pingelig, ich putze auch Klos, so ist es nicht, aber es ist wohl so, dass wir beide arbeiten gehen werden. Wenn das geht, würde ich auch arbeiten und er zu Hause beliben, aber es wird wohl auf eine beidseitige Berufstätigkeit rauslaufen.
      Wenn sich was tut, bzw, wenn es grössere Neuigkeiten diesbezüglich gibt, werde ich auf jeden Fall drüber bloggen. Aktuell sind wir dabei, uns zu verkleinern, vom Haus in eine Wohnung zu ziehen, um laufende Kosten zu sparen, so ein grosser Umzug ist ja nicht billig.

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